Bei drei Kindern unter 4 Jahren könnt ihr euch vorstellen, oder wisst es aus eigener Erfahrung -, dass man schon einiges im Haushalt zu tun hat. Und ich habe schon erwähnt, dass ich in der Hinsicht gar nicht versuche total perfekt zu sein und meine Kraft lieber in die Erziehung der Kinder stecke, denn da habe ich langfristig mehr davon.

Das heißt aber natürlich nicht, dass es bei uns aussieht wie bei Hempels unterm Sofa. Eine gewisse Grundsauberkeit muss schon herrschen, besonders, da wir relativ oft Besuch bekommen. Jetzt könnte ich natürlich immer die Mittags- und Nachtschlafzeit der Kinder dafür nutzen, die Wohnung auf Hochglanz zu polieren.

Aber das mache ich nicht und ich verrate euch auch warum:

  1. Will ich die Zeit zu nutzen, um zu reflektieren, euch hier auf dem Blog zu schreiben und viele andere Sachen am Laptop zu erledigen.
  2. Möchte ich, dass meine Kids sehen, wenn ich Hausarbeit mache und daran auch je nach Alter spielerisch, aber aktiv teilnehmen.

Sollen Kinder im Haushalt helfen?

Ja, und zwar aus zwei Gründen. Erstens lernen sie dabei Fähigkeiten, die später niemand mehr beibringt. Zweitens gehört ein Haushalt allen, die darin wohnen. In Deutschland steht das sogar im Gesetz: Nach § 1619 BGB sind Kinder verpflichtet, im Haushalt der Eltern mitzuhelfen, soweit es ihren Kräften entspricht.

Gesetzlich vorgeschrieben: Kinder sollen im Haushalt helfen

Interessanterweise wird sogar im Bürgerliche Gesetzbuch in Paragraph § 1619 eingeräumt:

Dienstleistungen in Haus und Geschäft

Das Kind ist, solange es dem elterlichen Hausstand angehört und von den Eltern erzogen oder unterhalten wird, verpflichtet, in einer seinen Kräften und seiner Lebensstellung entsprechenden Weise den Eltern in ihrem Hauswesen und Geschäft Dienste zu leisten.

Das klingt erst mal krass, aber was ist damit gemeint? Für mich heißt es, dass meine Kinder lernen Verantwortung zu übernehmen. Dass sie lernen, dass Helfen an sich selbstverständlich sein sollte. Und natürlich helfen unsere Kinder mit. Im Haushalt zu helfen ist übrigens sicher keine reine Mädchensache.

Hausarbeit: Kinder lieben es Verantwortung zu bekommen

Das Schöne ist, dass meine Kinder sich für die Hausarbeit schon interessiert haben, als ich noch gar nicht so richtig darüber nachgedacht habe, auf welche Art und Weise ich sie einbeziehen werde.

Angefangen beim Wäscheaufhängen: Unser ältester Sohn hat schon mit 2 Jahren angefangen, die Wäsche ambitioniert aus der Waschmaschine zu ziehen. Das hätte mich natürlich stressen können, weil sie im Zweifelsfall auf dem Boden landet. Aber ich habe schnell gemerkt, dass es eine geniale Win-win-Situation wird, weil ich mich so nicht mehr zur Maschine bücken muss und er mir alles in die Hand reicht. Inzwischen hat unsere Tochter mit ihren 2 Jahren den Job übernommen und die aktuelle Lieblingstätigkeit unseres Sohnes ist: Trommelwirbel: Flecken auf dem Parkett mit feuchten Tüchern wegputzen.

Ein Traum, denn wer macht das schon gerne?

Am meisten liebe ich es aber zu sehen, wie Kinder aufblühen, wenn sie kleine Aufgaben gut erfüllen können und total stolz über ihre eigene Leistung sind. Natürlich ist es erst mal anstrengend, weil es nicht so super klappt und man erst mal mehr als weniger Arbeit hat. Unsere Tochter möchte zum Beispiel zurzeit unbedingt lernen, wie man kehrt. Ein Abenteuer, sage ich euch. Aber inzwischen sind ihre Ergebnisse schon ganz ordentlich.

Hier kommen ein paar hilfreiche Check-Listen, ab welchem Alter welche Aufgaben sinnvoll und altersgemäß sind. Ganz wichtig ist natürlich, dass Kinder nicht überfordert werden und nur spielerisch Aufgaben erledigen, solange sie noch klein sind.

Haushalts-Checklisten für Kinder von 2 bis 12 Jahren

(in Anlehnung an Eltern AG)

Hausarbeiten für 2 bis 3 Jahre alte Kinder:

  • Spielzeug aufräumen (in größere Kisten oder die Kinderküche aufräumen)
  • Bücher ins Regal stapeln
  • die dreckige Kinderkleidung in den Wäschekorb legen
  • Wäsche aus der Wäschetrommel ziehen und reichen
  • Müll wegwerfen
  • kleine und leichte Einkäufe tragen (z.B. Papier-Taschentücher)
  • Geschirr auf den Tisch stellen, dreckiges Geschirr (lieber unzerbrechlich) in die Spüle legen
  • Windeln und Fruchttücher holen
  • Staub wischen
  • Dreck auf die Kehrschaufel fegen

Hausarbeiten für 4 bis 5 Jahre alte Kinder

  • Spielzeug einsortieren (in kleinere Verpackungen, in einer bestimmten Reihenfolge sortiert)
  • Haustiere füttern
  • Verschüttetes aufwischen
  • Flecken vom Boden wischen
  • Türgriffe abwischen
  • Betten machen
  • Pflanzen gießen
  • Besteck einsortieren
  • kleine Snacks vorbereiten
  • Handstaubsauger benutzen
  • Küchentisch abwischen
  • Geschirr abtrocknen und wegräumen

Hausarbeiten für 6 bis 7 Jahre alte Kinder

  • Müll trennen
  • Handtücher falten
  • Staubsaugen
  • Geschirrspülmaschine ausräumen
  • Socken sortieren
  • Einkäufe einräumen
  • Unkraut im Garten jäten
  • Laub harken
  • Gemüse schälen
  • Salat machen
  • Toilettenpapier ersetzen

Hausarbeiten für 8 bis 9 Jahre alte Kinder

  • Wäsche waschen
  • Möbel entstauben
  • Kekse backen
  • Küche fegen
  • saubere Wäsche aufhängen und zusammenlegen
  • Auto aussaugen
  • Wände streichen
  • Post reinholen

Hausarbeiten für 10 bis 11 Jahre alte Kinder

  • Fenster putzen
  • Lebensmittel einkaufen
  • kurze Zeit auf die Geschwister aufpassen
  • Badezimmer reinigen
  • Mahlzeiten kochen
  • Knöpfe annähen
  • Brot und Kuchen backen
  • Böden wischen

Bisher kann ich nur für das Alter bis 4 Jahre mitreden, eventuell passe ich die Liste für ältere Kinder später noch an. 😉

Was sagt das Gesetz genau?

§ 1619 des Bürgerlichen Gesetzbuchs regelt es so: Solange ein Kind zum elterlichen Hausstand gehört und von den Eltern erzogen oder unterhalten wird, ist es verpflichtet, in einer seinen Kräften und seiner Lebensstellung entsprechenden Weise Dienste im Haushalt zu leisten. Zwei Einschränkungen stecken darin. Die Aufgaben müssen zum Alter und zur Lebenssituation passen, und Schule und Ausbildung gehen vor. Ein Kind ist also kein Personal, aber auch kein Gast.

Welche Aufgaben passen zu welchem Alter?

Mit zwei bis drei Jahren: Spielzeug in die Kiste, Wäsche in den Korb, Tisch mit unzerbrechlichem Geschirr decken. Mit vier bis fünf: Bett grob machen, Blumen gießen, Tisch abräumen, Spülmaschine ausräumen bis Hüfthöhe. Mit sechs bis sieben: Brotdose ausräumen, Müll trennen, staubsaugen, Bad wischen. Mit acht bis neun: einfache Mahlzeiten zubereiten, Wäsche zusammenlegen, Einkäufe wegräumen. Ab zehn: allein kochen, Waschmaschine bedienen, den eigenen Bereich vollständig verantworten.

Soll man für Hausarbeit Taschengeld zahlen?

Für die alltäglichen Aufgaben besser nicht. Wer für jedes Aufräumen bezahlt wird, räumt bald nur noch gegen Bezahlung auf, und die Selbstverständlichkeit ist weg. Sinnvoll ist die Trennung: Was alle betrifft, macht jeder unbezahlt, also Tisch, Zimmer, eigene Wäsche. Was darüber hinausgeht und normalerweise ein Erwachsener täte, etwa Autowäsche oder Keller aufräumen, darf vergütet werden. Taschengeld selbst ist unabhängig davon und keine Belohnung.

Was tun, wenn ein Kind sich weigert?

Ruhig bleiben und die Aufgabe kleiner machen statt lauter zu werden. Häufigste Ursache ist, dass die Aufgabe zu groß ist: Räum dein Zimmer auf überfordert ein Fünfjähriges, leg die Bausteine in die blaue Kiste nicht. Zweitens hilft ein fester Zeitpunkt statt eines spontanen Auftrags, weil Kinder gegen Unterbrechungen kämpfen, nicht gegen Arbeit. Und drittens wirkt Mitmachen mehr als Anweisen: Gemeinsam zehn Minuten schlägt allein eine halbe Stunde.