Davor hat jede frischgebackene Mama Angst, was tun, wenn sich herausstellt, dass dein kleiner Schatz ein Schreibaby ist und einfach nicht richtig im Leben anzukommen scheint? Oder ,wenn er zwar nicht die ganze Zeit schreit, aber kaum mehr als eine Stunde am Stück schläft und dich danach wieder in Atem hält?

Eine Realität, mit der sich einige Eltern auseinandersetzen müssen: Man schätzt, dass etwa 20 Prozent der drei bis vier Monate alten Säuglinge Schreibabys sind, die mehr als drei Stunden am Tag weinen. Absolut verständlich, dass man als Mama oder Papa ganz schön am Rad dreht, wenn der kleine Liebling gefühlt durchgehend schreit und sich nicht beruhigen lässt.

 

Was tun bei einem Schreibaby?

Zuerst körperliche Ursachen von der Kinderärztin ausschließen lassen. Danach hilft vor allem, den Tag ruhiger und gleichmäßiger zu machen: weniger Reize, feste Abläufe, früher hinlegen, als es sich richtig anfühlt. Und der zweite Teil ist genauso wichtig wie der erste: Eltern brauchen Entlastung, sonst hält niemand diese Monate durch.

Schreibabys beim Chiropraktiker durchchecken lassen

Inzwischen habe ich schon öfter gehört, dass bei einigen Schreibabys im Bekanntenkreis eine bei der Geburt verrenkte Schulter oder etwas in der Richtung Grund des Schreiens war. Oftmals sind die Verrenkungen schwer vom klassischen Kinderarzt zu erkennen. Deshalb gehe auf jeden Fall auf Nummer sicher, wenn du den Eindruck hast, dein Baby könnte Schmerzen haben und lasse den Kleinen beim Chiropraktiker untersuchen.

Das macht die Schreiambulanz

Aber nicht immer ist das Schreien nur durch körperliche Probleme bedingt.
Letzte Woche hat mich eine Freundin nach ein paar Monaten besucht und mir von den Schlafproblemen ihres Babys erzählt, und von dem Feedback, dass sie im Freundeskreis und von ihrer Kinderärztin bekommen hat. Das war niederschmetternd. Wie gut, dass sie nach einiger Zeit endlich den Weg zur Münchner Schreiambulanz gefunden hat.

Während ihr fast ihr gesamtes Umfeld dazu geraten hat, den Kleinen einfach alleine schreien zu lassen, insbesondere nachts, hat ihr die Schreiambulanz wirklich weitergeholfen. Dort haben sie sie erst einmal sehr gelobt, weil sie sich so gut um ihr Baby gekümmert hat, denn einfach schreien lassen, ist das Schlimmste, was man bei Babys überhaupt machen kann.

Vor allem in dieser Situation. Denn oft sind die Gründe für das Schreien Trennungsängste oder ausgeprägte Sehnsucht nach Nähe.

Schreiambulanz: genaue Analyse

Nicht jede Schreiambulanz ist gleich aufgebaut. Aber im Idealfall hören erfahrene Psychologen und Kinderärzte erst einmal zu. Eine Erfahrung, die gestresste Eltern leider selten machen. Denn mit Hinweisen, was sie alles falsch machen, ist die direkte Umgebung meist viel schneller zur Hand, als sich erst mal die Sorgen und Nöte der übermüdeten Eltern anzuhören.

Bei der Schreiambulanz wird anschließend genau dokumentiert und analysiert, wie das Schlaf- und / oder Schreiverhalten des Babys ist. Aufbauend darauf wird individuell für jedes Baby definiert, welche Schritte ihm helfen zur Ruhe zur finden.

Die Schreiambulanz als letzte Hilfe

Oft ist die Schreiambulanz für Eltern der letzte Weg, um Hilfe zu bekommen. Warum eigentlich? Vielleicht weil viele, wie ich, gar nicht wissen, dass es so etwas Geniales überhaupt gibt. Ich glaube, dass es oft helfen kann, Kurzschlussreaktionen oder komplette Überforderung vorzubeugen. Denn das kann für Babys schnell gefährlich werden. Und alle Eltern wissen, wie schnell man sich mit Kindern überfordert fühlt.

Also erzählt doch den Eltern mit Schreibabys in eurem Umfeld von dieser guten Möglichkeit. Denn warum das erst als letzten Ausweg in Betracht ziehen, wenn dort den Babys wirklich gut geholfen werden kann.

Umso schöner, dass in der Schreiambulanz üblicherweise keine Vorwürfe warten, sondern Verständnis und ja, sogar Lob, wie im Fall von meiner Freundin. Denn manchmal ist das das Wichtigste, was Eltern manchmal brauchen: Verständnis und Ermutigung, etwas, dass doch eigentlich auch wir anderen Eltern geben können.

Die Schreiambulanz gibt es in vielen deutschen Städten: Google einfach das Wort „Schreiambulanz“ zusammen mit deiner Stadt und du wirst bestimmt fündig.

Was macht eine Schreiambulanz?

Sie schaut sich an, wie der Tag eines Kindes tatsächlich abläuft, statt nur nach Symptomen zu fragen. In der Regel wird ein Protokoll über Schlafen, Wachsein, Füttern und Schreien geführt und daraus abgeleitet, an welchen Stellen sich etwas ändern lässt. Oft geht es um Übermüdung und um zu viele Reize, nicht um Bauchweh. Schreiambulanzen sind an Kinderkliniken, sozialpädiatrischen Zentren und Beratungsstellen angesiedelt, häufig kostenfrei, und die Kinderärztin kennt die Adresse vor Ort.

Wann spricht man von einem Schreibaby?

Gebräuchlich ist die Dreierregel: mehr als drei Stunden Schreien am Tag, an mehr als drei Tagen in der Woche, über mehr als drei Wochen. Ein Kind, das viel weint, aber gut zunimmt und sich beruhigen lässt, fällt nicht darunter. Sofort ärztlich abklären lassen sollte man ein Baby, das sich gar nicht mehr beruhigen lässt, das schlecht trinkt, nicht zunimmt, teilnahmslos wirkt oder Fieber hat. Das ist kein Fall für Geduld, sondern für einen Termin am selben Tag.

Kann man ein Baby verwöhnen, wenn man es immer trägt?

Nein. In den ersten Monaten gibt es kein Zuviel an Nähe, und ein Baby lernt nicht, dass Schreien sich lohnt, sondern dass jemand kommt. Genau daraus entsteht die Fähigkeit, sich später selbst zu beruhigen. Was Eltern in dieser Zeit stattdessen brauchen, ist ein Weg, die Nähe körperlich auszuhalten, also eine gut sitzende Trage, abwechselnde Schichten zwischen den Erwachsenen und Hilfe von außen für alles andere.

Wo bekommen Eltern Hilfe, wenn es zu viel wird?

Bei der Kinderärztin, in der Schreiambulanz und bei den Frühen Hilfen, die es in fast jeder Kommune gibt. Wichtig ist der Satz, den viele Eltern zu spät sagen: Ich kann nicht mehr. Wenn du merkst, dass Wut hochkommt, leg das Kind an einem sicheren Ort ab, geh aus dem Zimmer und atme, auch wenn es weiterschreit. Ein Baby, das fünf Minuten allein im Bett weint, ist sicher. Geschüttelt zu werden, überlebt es nicht unbeschadet.