Es gibt so viel zu sagen …
Darüber, wie wir unsere Kinder erziehen sollten, wie wir sie lieben und umsorgen sollten.
Aber es gibt eine entscheidende Sache.

Ich, als Mami, kann mir ungefähr vorstellen, wie sehr du dein Kind liebst. Ich fange erst seit ich Kinder habe an zu begreifen, wie sehr meine Eltern mich lieben. Obwohl ich es eigentlich schon immer wusste.

Der wichtigste Satz: warum Kinder ihn hören müssen

Kinder wissen nicht automatisch, dass sie geliebt sind. Sie brauchen es gesagt, ausgesprochen und ohne Bedingung, und zwar besonders an den Tagen, an denen etwas schiefgegangen ist. Der Satz Ich liebe dich kostet nichts und dauert zwei Sekunden, und er gehört zu dem Wenigen, woran Kinder sich später mit Sicherheit erinnern.

Aber weiß es dein Sohn oder deine Tochter? Haben sie die Gewissheit, dass sie geliebt sind?

Wenn wir ehrlich sind, sind in uns zwei Gefühle gegenwärtig: Die Angst vor Ablehnung und der Wunsch geliebt und angenommen zu werden. Wer kennt das nicht?

Genau diese Gefühle beschäftigen dein Kind am meisten, es kann es aber so gut wie nie in Worte fassen.

Pass auf das Herz deiner Kinder auf

Wir haben die Chance unsere Kinder zu prägen, positiv und auch im Hinblick auf die Zukunft. Damit müssen wir verantwortungsvoll umgehen. Oft verstehen wir darunter, ihnen eine gute Bildung oder materielle Sicherheit zu ermöglichen. Das sind wichtige und ehrenwerte Dinge.
Aber es geht vor allem um ihr Herz.

Unsere Kinder werden gute und schlechte Erfahrungen machen. Aber das entscheidet nicht, ob glückliche oder traurige Menschen aus ihnen werden. Entscheidend dafür ist, wie sie mit diesen Erfahrungen umgehen.

Ich habe als Kind viele gute, aber auch einige schlechte Erfahrungen gemacht. Besonders in der Schule hatte ich oft das Gefühl, abgelehnt zu werden.

Sowohl als kleines Kind als auch als „cooler“ Teenager hat mich eine Sache durch diese negativen Erlebnisse durchgetragen. Meine Mami hat immer zu gesagt: „Egal was passiert, selbst wenn du mal etwas ganz Schlimmes machst oder erlebst, ich werde dich immer lieben!“

Ich werde dich immer lieben. Bedingungslos. Was für eine einfache Wahrheit.

Welcher Mami geht es nicht so? Aber wie oft sagen wir es?
Wir denken, unsere Kinder merken doch, dass wir sie lieben. An all den vielen Dingen, die wir für sie tun.

Sag es deinem Kind!

Fang an deinem Kind diese Wahrheit zuzusprechen. Ich liebe dich! Egal was kommt!
Es klingt so selbstverständlich. Und geht doch so oft im Alltag unter.

Mach es dir zur Gewohnheit. Ich sage meinen Kindern und auch meinem Mann (!) viele Male am Tag, dass ich sie liebe. Du wirst an der Reaktion erkennen, dass es das Beste ist, was du tun kannst.

Auch als meine Tochter erst ein paar Tage alt war, hat sie auf den Satz: „Ich liebe dich!“ ganz anders reagiert, als über all die anderen guten Dinge, die ich zu ihr gesagt habe.
Auf vieles hat sie fröhlich reagiert, aber bei diesem Satz ist sie förmlich aufgeblüht.

Mein erster Sohn ist ein total selbstbewusster 2-Jähriger. Er weiß schon, was kommt, wenn ich sage:“Soll ich dir mal was sagen?“ Er haucht mir jedes Mal ein erwartungsvolles, sehnsüchtiges „Ja!“ entgegen. Dann zeige ich ihm mit ausgebreiteten Armen: „Ich liebe dich soooo sehr!“
Er lacht jedes Mal so befreit, so überglücklich, dass ich weiß, dass das genau das war, was er hören musste, was er niemals zu oft hören kann.

Nimm dir vor wenigstens einmal am Tag deinen Kindern zu sagen, wie sehr du sie liebst. Auch wenn deine Kinder schon älter sind und erstmal nicht wissen sollen, wie sie darauf reagieren sollen. Mach es zu deiner Gewohnheit. Lass es keine leeren Worte sein.
Schon nach ein paar Tagen wirst du den Unterschied merken. Spätestens.

Ich liebe dich. So einfach ist das.

Wie sagt man einem Kind, dass man es liebt?

Am besten ohne Anlass. Ein Satz nach einem gelungenen Tag klingt für Kinder wie eine Belohnung, ein Satz mitten im Alltag klingt nach Bedingungslosigkeit. Wichtig ist außerdem, ihn vom Verhalten zu trennen: Nicht weil du so lieb warst, sondern einfach so. Bei größeren Kindern, denen es peinlich wird, funktionieren andere Formen genauso gut: ein Zettel in der Brotdose, eine Nachricht am Abend, eine Hand auf der Schulter. Der Inhalt bleibt derselbe.

Was tun, wenn man selbst nicht so aufgewachsen ist?

Dann fühlt sich der Satz zuerst fremd an, und das ist normal. Viele Erwachsene haben ihn in der eigenen Kindheit nie gehört, und Liebe wurde stattdessen über Fürsorge ausgedrückt, über Essen, Wäsche und die Frage nach den Noten. Beides ist echt, nur das eine sieht ein Kind nicht. Hilfreich ist, klein anzufangen: einmal am Tag, immer zur selben Gelegenheit, etwa beim Zubettbringen. Nach zwei Wochen ist es keine Übung mehr, sondern eine Gewohnheit.

Reicht es, den Satz zu sagen?

Nein, aber ohne ihn fehlt etwas Wesentliches. Kinder gleichen Worte ständig mit Verhalten ab. Was zusammenpassen muss, ist einfach benannt: verlässliche Zeit, echtes Zuhören und die Bereitschaft, sich zu entschuldigen, wenn man laut geworden ist. Wo das stimmt, wird aus dem Satz eine Gewissheit, auf die ein Kind sein Leben lang zurückgreifen kann.

Titelfoto: Christopher Magat auf Unsplash