Weißt du noch, als du deinem süßen Schatz ganz verzückt beim ersten selbstständigen Spielen zugeschaut hast? … Bis er oder sie bei Playdates oder in Spielgruppen auf andere Babys und Kleinkinder getroffen ist. Meistens läuft es ja ziemlich gut, aber manchmal ist das große T eine echte Herausforderung.

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber es war für mich ein Schock als mein Sohn sich das erste Mal mit vollem Körper- und Emotions-Einsatz geweigert hat, einem anderen Kind etwas abzugeben oder er sich einfach gegen den Willen eines anderen Kindes sehr zielstrebig dessen Spielzeug „ausgeliehen“ hat.

Genauso war es, die Verzweiflung meines Kleinen zu sehen, wenn ihm mal ein Spielzeug weggenommen wurde. Das ist echte Leidenschaft! ^^

Wer kennt das noch? Und alle Mamis rufen hier.

Ab wann können Kinder teilen?

Freiwillig etwa ab drei bis vier Jahren, wirklich verstanden meist erst mit fünf oder sechs. Vorher fehlt die Fähigkeit, sich in ein anderes Kind hineinzuversetzen. Ein Zweijähriges, das nichts abgeben will, ist deshalb nicht egoistisch, sondern altersgerecht. Was in dieser Zeit hilft, ist Tauschen statt Teilen.

Meins und deins: darum fällt Teilen unseren Kleinen so schwer

Natürlich wissen die meisten Eltern, dass das die natürliche Entwicklung bei Kleinkindern ist. Besonders im Alter zwischen 1 und 3 Jahren identifizieren sich Kinder so stark mit Äußerlichkeiten wie Spielsachen, dass es von einer Sekunde auf die andere zu dramatischen Szenen kommen kann, sobald ein anderes Kind dem für diese Minute ausgewählten Spielzug deines Schatzes zu nahe kommt.

Das ist ja das Lustige: Meist beschäftigen sich Kleinkinder nur ein paar Minuten mit einem Spielzeug, bevor sie zu einer anderen Beschäftigung übergehen.

Andererseits ist das auch wunderschön: Kinder leben absolut im Moment. Das ist genau das, was wir nicht verlernen dürfen oder wieder neu lernen müssen, um in vollen Zügen und erfüllt zu leben.

Aber zurück zum Thema. Wie bringen wir den süßen (oder dann auch mal kurz nicht so süßen) Kleinen das Teilen bei?

Mit ganz viel Geduld. Erstmal tief durchatmen, wenn der Konflikt seinen Lauf nimmt.
Und dann: Ausprobieren, mit welcher Art und Weise dein Kind am besten versteht, was Teilen bedeutet.

Hier sind meine Top 5, im Zweifelsfall nacheinander anwenden. 😉

Nr. 1: Erklären

Mach deinem Kleinen klar, dass Teilen etwas ganz Normales ist und er es lernen darf. Schließlich möchte jeder mit etwas Schönem spielen. Und es gibt wirklich genug Spielsachen, damit jedes Kind eine gute Zeit hat.

Nr.2: Die Freundschaftsnummer

Hier gehe ich mit meinem Kleinen noch mal das Prinzip Freundschaft durch. Ein Thema, das zurzeit eine absolute Faszination bei ihm auslöst. Teilen hat einen sehr wichtigen Stellenwert in einer Freundschaft.

Nr. 3: Entscheidung treffen: Spaß oder Tränen

Ich möchte meinen Kindern schön so früh wie möglich beibringen, eigenständig gute Entscheidungen zu treffen. Bei ganz kleinen Kindern ist es allerdings selten hilfreich, eine Entscheidung komplett offen zu formulieren. Deshalb frage ich die Kids, ob sie sich lieber weiter mit den anderen Kindern möchten freuen und sich für das Teilen entscheiden wollen, oder ob sie die schlechte Stimmung in Kauf nehmen wollen, die entsteht, wenn nicht geteilt wird.

Nr. 4 und aktuell unser heißester Tipp: Tauschen

Klappt im Moment super bei uns. Jeder, der ein Spielzeug zuerst in der Hand hält, darf es erst mal behalten. Möchte der andere unbedingt genau dieses Spielzeug, muss er versuchen, diesen Gegenstand gegen einen anderen einzutauschen. Es ist total interessant zu beobachten, wie mein Sohn versucht sich in meine Tochter hineinzudenken und überlegt, mit welchem Spielzeug, sie wohl noch lieber spielen würde, als mit dem, dass sie gerade in der Hand hält.

Nr. 5 Darauf bestehen

Egal, für welche der Nummern du dich entschieden hast: Es ist in deinem Interesse, dass du es wirklich durchziehst, deinem Kind das Teilen beizubringen und nicht resignierst.

Einen größeren Schwierigkeitsgrad bekommt die Situation, wenn du die einzige Mutter bist, der es wichtig ist, dass ihr Kind teilen lernt. Davon könnte ich ein Lied singen. Wer noch? Das Gute: Aber einem Alter von etwa 3 Jahren können Kinder das meist ganz gut alleine regeln.

Mein Großer kann inzwischen meist schon sehr gut teilen, die härteste Phase haben wir schon hinter uns. Denke ich. Wie schön, dass meine Tochter gerade anfängt, sehr beharrlich auf bestimmte Spielsachen zu bestehen. 😉

Was gibt es ansonsten zu sagen?

Es lohnt sich, unseren Kindern das Teilen beizubringen. Denn Kinder, die Teilen, lernen, dass Dinge nicht so wichtig sind wie Menschen. Und erfahren, das gemeinsame schöne Momente viel mehr Freude schenken als das coolste Spielzeug, wenn man alleine damit spielt.
Also richtig was fürs ganze Leben.

To live fully, we must learn to use things and love people, and not love things and use people. John Powell

Was hilft, wenn zwei Kinder dasselbe wollen?

Fünf Wege, am besten in dieser Reihenfolge. Erstens erklären, was gerade passiert, in einem Satz. Zweitens auf die Beziehung setzen: Dein Freund würde sich freuen. Drittens dem Kind die Entscheidung lassen und die Folge benennen. Viertens tauschen, also ein anderes Spielzeug anbieten, was bei kleinen Kindern am zuverlässigsten wirkt. Und fünftens, wenn es sein muss, darauf bestehen. Der Fehler ist, mit dem fünften Schritt anzufangen.

Muss ein Kind sein Lieblingsspielzeug abgeben?

Nein, und das ist wichtiger, als es klingt. Jedes Kind darf zwei oder drei Dinge haben, die nicht geteilt werden, so wie Erwachsene ihr Telefon nicht herumreichen. Räum diese Sachen vor einem Besuch weg, dann entsteht der Konflikt gar nicht erst. Alles andere ist Gemeingut für den Nachmittag. Diese klare Trennung macht das Teilen im Übrigen leichter, weil das Kind weiß, dass ihm nicht alles genommen werden kann.

Was tun, wenn das eigene Kind etwas wegnimmt?

Zurückgeben lassen, ruhig und ohne Publikum. Sag, was passiert ist, und was jetzt geschieht: Das gehört gerade Mia, du gibst es zurück und darfst dann fragen. Danach kommt der zweite Teil, der meistens fehlt: dem Kind zeigen, wie man fragt. Eine Entschuldigung erzwingen bringt wenig, weil sie dann eine Formel bleibt. Wirksamer ist, das Kind bei der Wiedergutmachung zu begleiten.

Wie verhält man sich als Erwachsener dabei?

Möglichst wenig eingreifen und möglichst schnell, wenn doch. Kinder regeln erstaunlich viel allein, wenn man ihnen dreißig Sekunden gibt. Greif ein, wenn es körperlich wird oder wenn ein Kind sichtbar unterlegen ist. Und bewerte hinterher nicht das Kind, sondern die Handlung: Das war zu fest, statt du bist gemein. Unter Erwachsenen hilft außerdem, sich vorher kurz abzusprechen, wer beim Spielnachmittag eingreift, sonst stehen zwei verschiedene Regeln im Raum.