Die ersten Wochen und Monate in einer neuen Umgebung oder gar der neuen Heimat sind aufregend und ein echtes Abenteuer. Doch nach einer Weile zieht auch im Ausland und in deinem neuen Leben der Alltag ein.
Als ich in Rio de Janeiro angekommen bin, war alles neu und superspannend für mich. Schließlich gab es viel zu entdecken und ich wollte die neue Kultur kennenlernen. All das fühlte sich an wie ein einziges Abenteuer und irgendwie auch wie Urlaub. Erst nach einigen Monaten habe ich realisiert, dass ich nun wirklich auf einem anderen Kontinent lebe.
Was hilft gegen Heimweh im Ausland?
Vier Dinge, die sich gegenseitig stützen. Die neue Stadt bewusst kennenlernen, statt sie mit der alten zu vergleichen. Freundschaften vor Ort suchen, nicht nur unter Landsleuten. Regelmäßig etwas unternehmen, damit der Alltag nicht nur aus Arbeit besteht. Und feste Besuche in der alten Heimat einplanen, damit die Rückkehr kein Sehnsuchtsort bleibt.
Was hilft gegen Heimweh im Ausland?
Der Freundschaftsweg: Liebe zur neuen Heimat
Meine ersten Monate in Rio de Janeiro waren geprägt von dem Gedanken: „Wie wäre das jetzt in Deutschland?“. Ich habe automatisch alle Dinge und Gegebenheiten meines neuen Lebens mit meinem Heimatland verglichen. In Rio ist der Verkehr beispielsweise eine einzige Katastrophe und ich habe mich gefragt, wie das geregelt werden könnte, damit es besser wird. So wie in Deutschland eben, mit Autobahnen oder einem gut ausgebauten Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln. Aber wer bin ich, um das zu entscheiden? Diese Vergleiche brachten mir, außer Heimweh, leider gar nichts.
Ich habe daher beschlossen, mich auf keinen Vergleich einzulassen. Stattdessen suche ich mir etwas, das ich an Brasilien wirklich mag und das es in Deutschland nicht gibt: die unendlich langen und exotischen Strände, grüne Palmen, einen leckeren Açai und die warmen Temperaturen. Damit lernst du, deine neue Heimat zu lieben und mit all den Vor- und Nachteilen zu schätzen.

Die Beziehungsebene: Freundschaften sind unbezahlbar
Ein wirklich wichtiger Halt und Wohlfühlfaktor sind gute Freunde. Und ja, diese gibt es auch im Ausland! Nachdem du dich in deiner neuen Heimat eingelebt hast, ist es wichtig, gute Freunde zu finden. Bestenfalls Einheimische oder vielleicht auch andere Ausländer, die in derselben Lage sind wie du. Freunde sind immer für dich da, auch wenn es dir schlecht geht und vor allem lenken sie dich vom Heimweh ab.
Unternimm etwas mit ihnen und lass dir deine neue Heimat zeigen. Ganz nebenbei lernst du dadurch auch die Landessprache. Wer etwas schüchtern ist, sollte hier unbedingt über seinen Schatten springen, denn echte Freunde sind wichtig! Auch wenn die Kommunikation anfangs noch recht holprig ist, wirst du nachher mit einer Freundschaft belohnt, die für ewig besteht und so manches Heimweh in Luft auflöst.


Die Entdeckungsreise: immer unterwegs und auf Tour
Die Tage, an denen ich nur zuhause war und mich beworben habe oder die Wohnung eingerichtet habe, waren für mich am schlimmsten. Da fiel mir sprichwörtlich die Decke auf den Kopf und das Heimweh wurde immer größer. Viel wichtiger ist es jedoch, die neue Heimat außerhalb der eigenen vier Wände zu erkunden. Es gibt sicherlich auch bei dir viele Parks, Sehenswürdigkeiten, Märkte und Events, die du besuchen kannst. Also ab in den Trubel! Dadurch lernst du die Kultur kennen und findest sicherlich auch Sachen, die du in deiner neuen Heimat lieben wirst.


Die Rückkehr: der Weg zurück ins Gewohnte
Falls das Heimweh in deinem neuen Leben im Ausland plötzlich unüberwindbar groß ist oder du vor wirtschaftlichen Problemen stehst, hast du jederzeit die Chance wieder zurück zu gehen. Allein der Gedanke an den Weg zurück, erleichtert mir das Leben hier ungemein. Momentan kämpft Brasilien mit einer wirtschaftlichen Krise und selbst die Preise für einen Flug nach Deutschland sind derzeit extrem hoch. Dennoch weiß ich, dass es immer einen Weg zurück in die alte Heimat gibt. Es gibt heutzutage unendliche Möglichkeiten.
Dennoch solltest du an dem Ort bleiben, von dem du weißt, dass er der Richtige ist. Vor wirtschaftlichen Problemen zu fliehen und dort zu leben, wo es bequem ist, bereitet dir am Ende womöglich keine Freude. Der Entschluss, wieder zurückzuwandern, sollte natürlich reiflich überlegt sein. Sprich dazu mit deinen neuen sowie „alten“ Freunden und deiner Familie, sie werden dich bei deiner Entscheidung sicherlich unterstützen!
Ich hoffe, dass dir mein kleiner persönlicher Ratgeber dabei hilft, deine neue Heimat zu lieben und das Heimweh dabei zu vergessen.
Mehr aus unserem Leben in Brasilien
Diese Beiträge gehören zusammen und beschreiben denselben Zeitraum aus verschiedenen Blickwinkeln:
- Rio de Janeiro: Sightseeing mal anders (Teil II)
- Schwanger im Ausland: 5 hilfreiche Tipps
- Rio de Janeiro: Wenn der Kinderarzt zum Freund wird!
- #Momlife: So kann ich in Rio de Janeiro am besten abschalten!
- Was wir von den Brasilianern lernen können!
- Das gibt es im Kinderzimmer im Ausland nicht!
Wie lange dauert es, bis man sich im Ausland zu Hause fühlt?
Bei den meisten ein bis zwei Jahre, und der Verlauf ist erstaunlich ähnlich. Auf ein paar euphorische Monate folgt eine Phase, in der alles anstrengend wird und ständig verglichen wird. Danach kommt langsam die Gewöhnung, und irgendwann merkt man an einer Kleinigkeit, dass die neue Stadt der Bezugspunkt geworden ist. Wer weiß, dass die zweite Phase kommt, hält sie leichter aus. Sie ist kein Zeichen für eine falsche Entscheidung, sondern der normale mittlere Teil.
Wie findet man im Ausland Freunde?
Über wiederkehrende Verabredungen und über die eigenen Kinder. Ein Kurs, ein Sport, ein Chor, eine Elterngruppe: Was zählt, ist die Wiederholung, weil aus zufälligen Begegnungen erst dadurch Bekanntschaften werden. Die deutschsprachige Gemeinschaft ist ein guter Anfang und eine schlechte einzige Lösung, weil sie den Vergleich mit zu Hause am Leben hält. Am schnellsten geht es über die Sprache: Wer die Landessprache spricht, wird eingeladen statt betreut.
Was tun, wenn das Heimweh trotzdem übermächtig wird?
Es ernst nehmen und eine Struktur dagegen setzen. Feste Videotelefonate zu festen Zeiten helfen mehr als dauernde Erreichbarkeit, weil es dann etwas gibt, worauf man sich freut. Ein Datum für den nächsten Besuch macht aus einem unbestimmten Vermissen eine überschaubare Zeitspanne. Und wenn Traurigkeit über Wochen bleibt, der Antrieb fehlt und nichts mehr Freude macht, dann ist es kein Heimweh mehr. Dafür gibt es deutschsprachige Beratung auch aus dem Ausland, oft über Videosprechstunden.
Was nimmt man mit, was lässt man da?
Mitnehmen lohnt sich, was Alltag stiftet: das eigene Kopfkissen, Fotos, die Kaffeekanne, Bücher, ein paar Gewürze, die es dort nicht gibt. Nicht mitnehmen sollte man den Anspruch, dass alles funktioniert wie zu Hause. Die meisten Reibungen im ersten Jahr entstehen nicht an fehlenden Dingen, sondern an Erwartungen an Behörden, Handwerker und Termine. Wer damit rechnet, dass vieles anders läuft und länger dauert, ist deutlich entspannter.