Diese Woche habe ich mich neu und ganz bewusst dafür entschieden, mir Enttäuschungen nicht zu Herzen zu nehmen.
Mich nicht verletzen zu lassen von Menschen, von denen ich etwas anderes erwartet habe.
Das Leben leichter zu nehmen und viel mehr über Dinge zu lachen.
Blumen statt Steine auf dem Rücken zu tragen.
Unabhängig davon, wie mir begegnet wird, ein Segen zu sein.
Es ist wirklich eine Frage der Perspektive.
Und ich bin so reich beschenkt.
Mit einer gesunden Familie, die mich liebt.
Wundervollen Menschen in meinem Leben.
Ich will mich nicht mehr von den Kleinigkeiten herunterziehen lassen, die es doch eigentlich sind, wenn ich mal einen Schritt zurücktrete und das große Ganze anschaue.
Ich werde schlechte Dinge an mir abperlen lassen und mir nicht meine Freude rauben lassen.
Ein Lotos-Effekt eben.
Wie sagt Wikipedia so schön:
„Als Lotos-Effekt wird die geringe Benetzbarkeit einer Oberfläche bezeichnet, wie sie bei der Lotuspflanze beobachtet werden kann. Wasser perlt in Tropfen ab und nimmt dabei auch alle Schmutzpartikel auf der Oberfläche mit.“
Das Wasser nimmt alle Schmutzpartikel auf der Oberfläche mit und perlt ab.
Wie oft habe ich die Schmutzpartikel, die bewusst oder unbewusst auf mich geworfen wurden, aufgesaugt. Habe sie meine Identität anzweifeln lassen.
Alles was ich bin und tue.
Wollen wir wirklich diesen ganzen Dreck in unseren Gedanken haben? Diese Zweifel. Oder wäre es eine Möglichkeit schon gleich in Betracht zu ziehen, dass wir wertvoll sind. Unantastbar kostbar. Etwas ganz Besonderes. Einzigartig.
Einfach weil ich ich bin und du du.
Es heißt nicht, dass ich nicht mehr kritikfähig bin oder nicht mehr selber Hinterfragen möchte, was meine Einstellungen betrifft.
Es heißt nicht, dass ich nicht besser werden möchte oder denke, dass ich perfekt bin.
Dieser Lotos-Effekt heißt für mich weise zu sein, wer oder was in mein Leben sprechen darf. Dass ich viel bewusster entscheiden werde, welches Feedback ich annehme und auf welche Meinungen ich vielleicht auch mal pfeife. Welche Schmutzpartikel ab jetzt abperlen, damit sie mich nicht traurig machen.
Dass ich mir bewusster Menschen suche, die es gut mit mir meinen und nicht nur ihren eigenen Vorteil suchen.
Ich übe schon ein paar Tage und es klappt erstaunlich gut.
Versuch es mal. Freude ist viel zu kostbar, als sie sich so schnell rauben zu lassen.

Der Lotos-Effekt als Bild für den Alltag
Der Lotos-Effekt beschreibt in der Natur, dass Wasser und Schmutz an der Blattoberfläche der Lotospflanze abperlen, ohne Spuren zu hinterlassen. Als Bild für den Alltag heißt das: nicht jede Enttäuschung an sich heranlassen. Was hilft, ist die bewusste Entscheidung, Dinge nicht persönlich zu nehmen, die nicht persönlich gemeint sind.
Wie lernt man, Dinge nicht persönlich zu nehmen?
Mit einer einzigen Frage, die man sich in dem Moment stellt: Sagt das mehr über mich oder über den anderen? Sehr oft ist eine schroffe Antwort schlicht ein schlechter Tag im Leben eines fremden Menschen. Hilfreich ist außerdem, zwischen Reiz und Reaktion eine Pause einzubauen, und sei sie nur ein tiefer Atemzug lang. Und es lohnt sich, zu unterscheiden zwischen Kritik, die stimmt und aus der man etwas lernen kann, und Verletzungen, die nur weitergegeben werden. Nur das Erste verdient Nachdenken.
Bedeutet das, alles einfach hinzunehmen?
Nein, und darin liegt der häufigste Denkfehler. Etwas abperlen zu lassen heißt nicht, Grenzüberschreitungen zu dulden. Es geht um die Unterscheidung zwischen dem, was man ändern kann, und dem, was einen nur beschäftigt. Wo etwas gesagt werden muss, sollte es gesagt werden, ruhig und klar. Der Lotos-Effekt betrifft alles danach: nicht tagelang darüber grübeln, nicht nachts Dialoge im Kopf führen, nicht die eigene Stimmung an die Reaktion eines anderen hängen.
Was hilft an schlechten Tagen?
Etwas Konkretes statt guter Vorsätze. Ein Spaziergang ohne Handy wirkt zuverlässiger als jede Grübelrunde. Aufschreiben hilft vielen, weil ein Satz auf Papier deutlich kleiner wirkt als derselbe Satz im Kopf. Und mit einem Menschen darüber sprechen, der zuhört, ohne sofort Lösungen anzubieten. Wenn sich eine gedrückte Stimmung über Wochen hält, den Schlaf verändert und die Freude an allem nimmt, gehört das allerdings nicht in einen Blogbeitrag, sondern in ärztliche Hände.