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Von wem stammt der Spruch mit den Wurzeln und den Flügeln?

Der Urheber ist unbekannt. Die häufige Zuschreibung an Johann Wolfgang von Goethe ist nachweislich falsch, in seinem Werk kommt der Satz nicht vor. Der älteste belegte Beleg ist englisch und stammt aus dem Jahr 1953: Der amerikanische Journalist Hodding Carter gab ihn einer ungenannten Frau wieder. Die deutsche Fassung tauchte erst gegen Ende der 1990er Jahre auf.

Ist „Wurzeln und Flügel“ ein indisches Sprichwort?

Nein, dafür gibt es keinen Beleg. Die Bezeichnung wurde dem Satz später angehängt, eine indische Quelle nennt niemand. Dasselbe gilt für Schiller, Albert Schweitzer und Kahlil Gibran, denen der Spruch ebenfalls zugeschrieben wird. Wer ihn zitiert, zitiert eine unbekannte Verfasserin aus dem Amerika der 1950er Jahre.

Wie lautet der Spruch genau?

Es gibt keinen verbindlichen Wortlaut, weil es kein Original gibt. Verbreitet sind vor allem drei Fassungen:

  1. „Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.“
  2. „Wenn Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln. Wenn sie groß sind, gib ihnen Flügel.“
  3. Englisch, die älteste belegte Form von 1953: „There are only two lasting bequests we can hope to give our children. One of these is roots, the other, wings.“

Die zweite Fassung ist die, die in Deutschland am häufigsten gesucht wird. Sie ist zugleich die jüngste.

Gibt es dazu ein Gedicht?

Ein überliefertes Gedicht mit diesem Titel gibt es nicht. Was kursiert, sind Erweiterungen des Zweizeilers, meist anonym und meist für Karten zur Einschulung, zur Konfirmation oder zum Auszug geschrieben. Wer eine Karte beschriften will, ist mit einer der drei Fassungen oben besser bedient als mit einer längeren Fügung unklarer Herkunft.

Was der Spruch im Alltag heißt

Ich habe es schon im letzten Post erwähnt: Mein Großer ist jetzt ein Kindergartenkind. Und so fasziniert und begeistert er auch davon ist, so sind wir beide doch ein bisschen hin- und hergerissen.

Natürlich ist es das Normalste der Welt, dass er jetzt ein paar wenige Stunden am Tag im Kindergarten verbringt. Und doch haben wir beide uns die letzten 3,5 Jahre daran gewöhnt, den ganzen Tag miteinander zu verbringen.

Wenn Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln. Wenn sie groß sind, gib ihnen Flügel.

Ich musste heute öfter an diesen Spruch denken. Seit ich unseren Großen regelmäßig morgens in den Kindergarten bringe und ihn mittags wieder abhole. Seit er total begeistert von seiner Zeit im Kindergarten erzählt, aber auch froh ist, wieder bei mir und seiner kleinen Schwester zu sein.

Ich habe diesen Spruch immer gemocht. Aber heute ist mir aufgefallen, dass die wichtigste Stelle der Übergang zwischen diesen beiden Sätzen ist. Es ist ja nicht so, dass es eine plötzliche Altersgrenze gibt: Als kleine Kinder haben sie nur Wurzeln und dann ab einem bestimmten Alter, fallen die Wurzeln ab und sie bekommen Flügel.

Ich habe noch ein anderes, fast identisches Zitat gefunden von Johann Wolfgang von Goethe:

Zwei Dinge sollten Kindern von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.

Das eine schließt das andere nicht aus. In unserer Vorstellungskraft vielleicht. Aber in der Realität ist das Beste, was unseren Kindern passieren kann, dass sie immer wissen, wie stark ihre Wurzeln sind. Und dass sie gerade deshalb Flügel bekommen, die so groß sind, dass sie selbst einen groß gewachsenen Baum neu verpflanzen können.

Das alles ist ein Prozess, ein langsamer, stetiger. Aber die Wurzeln, denen wir als Eltern wachsen geholfen haben, benötigen sie ihr Leben lang: Um Halt zu finden, um geerdet zu bleiben. Je tiefer die Wurzeln desto stärker der Baum.

Es ist mir wichtig, dass meine Kinder immer wissen, was einen guten Nährboden, ein gutes Zuhause, ausmacht. Er besteht aus viel Liebe. Aus Ermutigung, Vergebung und Freude. Aus Zeit miteinander. Dieser Boden sorgt dafür, dass die Wurzeln tief wachsen können.

Kinder, die gute Wurzeln haben, werden ihre Flügel nicht dazu nutzen, um auf Nimmerwiedersehen fortzufliegen. Sondern dazu die Welt mit ihren Augen zu entdecken. Und in ihr große Taten zu vollbringen.

Es widerspricht sich nicht Wurzeln und Flügel zu haben.
Wir benötigen beides, um glücklich zu sein: Um ein Zuhause zu haben und um unsere Sehnsucht zu stillen.

Wenn aus dem Satz eine Karte werden soll

Die Frage nach dem genauen Wortlaut kommt fast immer von jemandem, der etwas beschriften will: eine Karte zur Einschulung, zur Konfirmation, zum Auszug. Wir haben dafür einen eigenen kleinen Shop, Seeds & Feathers.

Am nächsten kommt diesem Gedanken die DU BIST GELIEBT Postkarte. Sie sagt in drei Worten, was der Spruch in zwei Zeilen sagt: Wurzeln sind nicht das, was man mitgibt, sondern das, was ein Kind über sich weiß. Dazu passen die Postkarten und die Poster, falls der Satz an die Wand soll statt in einen Umschlag. Versandkostenfrei ab 30 Euro.

Wie so ein Satz zu einem ganzen Brief wird, steht in Ein Brief an meine Tochter: Du bist geliebt. Und was man schreibt, wenn die Flügel tatsächlich benutzt werden, in Brief an meine Tochter zum Schulstart.