Was hilft, wenn die Kinder krank sind und du nicht mehr kannst?

Drei Dinge, und keines davon ist ein Ratschlag zum Durchhalten. Schlaf, sobald Ruhe einkehrt, auch am Nachmittag und auch unaufgeräumt. Hol dir Hilfe, bevor du am Ende bist, nicht danach. Und lass die Vorwürfe los, ob du etwas hättest verhindern können. Kinder werden krank, das ist keine Frage von Fehlern.

Ein Brief an dich

Hi du Heldin,

vielleicht sitzt du jetzt genauso erschöpft da, wie ich gestern Nacht, als ich das geschrieben habe. Und ich will dir unbedingt eine Sache sagen: Egal, ob du jeden Tag arbeiten gehst oder Zuhause für deine Kinder 100 Prozent gibst, du machst einfach einen unglaublichen Job!

Du bist Supergirl und Wonder Woman in einer Person. Besonders an Tagen wie diesen, wenn eines deiner Kinder oder noch schlimmer alle deine Kinder krank sind.

Wenn du dir Vorwürfe machst, weil, vielleicht, wenn die Gründe A, B und C nicht gewesen wären, wären sie vielleicht gesund geblieben … Diese Gedanken drehen sich die ganze Zeit in deinem Kopf und du versuchst sie zum Schweigen zu bringen, weil sie dich so traurig machen.

Wenn die kranken Mäuse nicht gut schlafen, sich hin und her wälzen, die ganze Zeit husten und das nach einem sowieso schon anstrengendem Tag. Wenn sie nach dir rufen und du dich nicht mal traust einen kurzen Moment auf die Toilette zu gehen. Du denkst du hast keine Kraft mehr? Das ist der Zeitpunkt an dem die Heldin in dir richtig zum Vorschein kommt.

Du machst Essen und kochst Tee, misst Fieber, verabreichst Medikamente, ziehst die verschwitzte oder verdreckte Kleidung deiner Kinder um, und das alles, während sich mindestens eines an dich klammert und im schlimmsten Fall noch die ganze Zeit weint. Und wahrscheinlich hast du dich schon längst angesteckt und würdest was dafür geben, dich einfach ins Bett legen zu können.

Heute bist du vielleicht so erschöpft, dass du denkst es gibt kein Morgen. Oder der Arzt hat eine schlimme Diagnose gestellt. Ich will dir sagen: Das ist noch lange nicht das Ende. Wenn es noch nicht gut ist, ist es nicht das Ende. Gib nicht auf. Mobilisier alle Kraft in dir. Schicke die Stimmen weg, die dich herunterziehen und höre auf die Stimme in dir, die dir Hoffnung gibt.

Versuch zu schlafen, wenn endlich Ruhe eingekehrt ist. Wenn du nicht mehr kannst hol dir Hilfe. Aber gib nicht auf.

„Alles in meinem Leben, was nicht von Hoffnung geprägt ist, ist unter dem Einfluss einer Lüge.“
Bill Johnson

Ich liebe dieses Zitat. Es hilft mir zu erkennen, wo meine Perspektive falsch ist. Und wenn ich eines in meinem Leben gelernt habe, dann das die Hoffnung zuletzt stirbt. Vielleicht dauert es ein paar lange, harte Tage, aber dann wird das Leben wieder besser aussehen. Nachts sieht die Realität viel dunkler aus, als im Sonnenschein. Es ist alles eine Frage der Perspektive.

Und ich habe mich für die Hoffnung entschieden und ich weiß, dass es für dich ein Morgen voller Sonnenschein und neuer Kraft gibt, auch wenn du jetzt gerade am Ende deiner Kapazität angekommen bist!

Jetzt stehst du am Fuße eines Berges, aber wenn du oben angekommen bist, wirst du dich großartig fühlen und die Aussicht von dort, wird unvergesslich sein. Halte dir nicht immer vor Augen, wo du gerade bist, wenn es dir und deinen Lieben nicht gut geht. Halte dir vor Augen, wo ihr sein werdet.

Wie oft sind kleine Kinder krank?

Deutlich öfter, als die meisten Eltern erwarten. In den ersten Kita-Jahren sind acht bis zwölf Infekte im Jahr normal, im Winter kann es sich anfühlen, als würde einer in den nächsten übergehen. Das ist kein Zeichen für ein schwaches Immunsystem, sondern genau der Weg, auf dem es entsteht. Mit dem Schuleintritt wird es spürbar weniger. Diesen Satz zu kennen, ändert an einer durchwachten Nacht nichts, aber er nimmt die Sorge, dass mit dem eigenen Kind etwas nicht stimmt.

Wer hilft, wenn beide Eltern arbeiten?

Zuerst das eigene Umfeld, und zwar früher gefragt als üblich. Großeltern, Nachbarn, andere Eltern aus der Kita, die selbst wissen, wie so ein Tag läuft. Danach der rechtliche Weg: Für gesetzlich versicherte Eltern gibt es Kinderkrankentage mit Krankengeld, wenn ein Kind unter zwölf Jahren betreut werden muss. Wie viele Tage im laufenden Jahr zustehen, ändert sich immer wieder, deshalb frag bei deiner Krankenkasse nach dem aktuellen Stand, statt dich auf eine Zahl aus dem Internet zu verlassen.

Wann sollte man zum Arzt?

Bei Säuglingen unter drei Monaten mit Fieber immer und sofort. Ansonsten dann, wenn ein Kind auffällig teilnahmslos wird, nichts mehr trinkt, schwer atmet, einen steifen Nacken hat oder Hautflecken zeigt, die sich unter Druck nicht wegdrücken lassen. Auch wenn Fieber länger als drei Tage bleibt oder nach einer Besserung neu auftritt. Und wenn dein Gefühl sagt, dass etwas anders ist als sonst, dann reicht das als Grund. Dieses Gefühl ist bei Eltern erstaunlich zuverlässig.

Wie kommt man selbst durch so eine Woche?

Indem man den Anspruch senkt, statt die Kraft zu erhöhen. Eine Woche mit kranken Kindern ist kein Zeitraum, in dem gekocht, aufgeräumt und gearbeitet wird. Tiefkühlpizza ist eine Lösung, nicht ein Versagen. Fernsehen ist an solchen Tagen ein Betreuungsangebot. Alles, was liegen bleibt, liegt in einer Woche noch da und lässt sich dann erledigen. Und wenn jemand fragt, ob er etwas mitbringen kann, ist die richtige Antwort ja.