Wann ist der richtige Zeitpunkt, um mein Kind in den Kindergarten zu geben? Soll ich es schon mit einem Jahr zur Tagesmutter oder in eine Krippe geben? Vielleicht sogar noch eher oder doch lieber später? Wie lange darf und will ich als Mama zu Hause bleiben?

Der richtige Zeitpunkt für den Kindergarten

Wann ein Kind in den Kindergarten kommt, hängt weniger vom Alter ab als von den Rahmenbedingungen. In Brasilien ist der Mutterschutz kurz, weshalb viele Kinder schon mit vier bis sechs Monaten betreut werden. In Deutschland besteht dagegen erst ab dem ersten Geburtstag ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz.

Gibt es DEN richtigen Zeitpunkt für den Kindergarten?

Diese Fragen hast du dir vermutlich auch gestellt. Und in Deutschland mag es vielleicht schon kompliziert sein, sodass manche Mamas bereits mit der Schwangerschaft einen Platz in der Kita reservieren müssen oder auch dann schon dem Arbeitgeber andeuten, ab wann sie wieder als Arbeitskraft zur Verfügung stehen.

Doch lass dir gesagt sein, es geht noch komplizierter oder zumindest elternunfreundlicher.

Wenn es nach Kind und Familie geht, steht Brasilien ganz sicher nicht auf meiner Favoritenliste. Aber ich beginne von vorne, damit du die Situation hier besser nachvollziehen kannst.

Ein Mutterschutz mit Grenzen

Ich musste mich in der Schwangerschaft natürlich noch nicht für eine Einrichtung entscheiden. Ob Kita, Krippe oder Babá (eine Art Kindermädchen/Tagesmutter), diese Entscheidungen kann man später treffen und oft auch kurzfristig.

Allerdings gilt das nicht für die Entscheidung, ab wann ich als Mama wieder arbeiten möchte. All diejenigen Mamis mit einem Job bekommen hier nur 120 Tage „Mutterschutz“. Will man davon schon einige Tage vor der Geburt nehmen, muss man sich bewusst sein, dass das Kontingent dann schwindet und die Zeit daheim mit Baby immer weniger wird.

In einigen Firmen ist es eventuell möglich, unbezahlten Urlaub anzuhängen. Aber das ist sicherlich die Seltenheit. Die meisten Mamas müssen nach 120 Tagen wieder arbeiten gehen, ob Voll- oder Halbzeit sonst verlieren sie ihren Job.

Diese Personen und Einrichtungen kümmern sich um dein Kind

Doch was machen die Mamas hier mit einem 4 Monate alten Baby? Entweder es bleibt bei Oma und Opa, doch wenn diese noch berufstätig sind, kommt hier meist die Babá zum Einsatz. Das ist ein Kindermädchen, das in der Wohnung der Eltern bleibt und sich dann um das Baby kümmert.

Natürlich kann eine Babà nicht das Stillen ersetzen. Somit beginnen hier viele Mamas bereits früh mit Pulvermilch oder sogar schon Brei.

Wer das nicht möchte, kann entweder zu Hause bleiben und seinen Job kündigen. Dann gibt es aber keinerlei Unterstützung vom Staat, wie Kindergeld, Elterngeld etc.
Oder aber du gibst dein Baby in eine Krippe. Dort ist die Betreuung schon ab 4 Monaten möglich. Viele dieser Kindertageseinrichtungen sind spezialisiert auf kleine Babys und Kleinkinder.

So haben wir uns entschieden

Wir, oder besser gesagt ich, habe mich bewusst dafür entschieden daheim zu bleiben, bei meinem Baby und die gemeinsame Zeit zu genießen. Warum entscheide ich mich schließlich für ein Baby, um es dann nach kurzer Zeit bereits abzugeben und nur früh am Morgen oder spät am Abend wiederzusehen? Allein der Gedanke daran hat mich schon einige Male zum Weinen gebracht.

Ich habe die Wahl, aber viele andere Mamas hier in Brasilien und Rio de Janeiro haben diese Wahl nicht. Und es ist irgendwie normal. Normal, dass die Kinder zum Großteil auch von anderen erzogen werden. Denn nicht selten ist die Babá auch am Wochenende im Haus oder der Wohnung der Eltern.

Kindererziehung leicht gemacht oder ist das einfach eine Sache der Kultur?

Sobald das Kind dann in den Kindergarten, oder später in die Schule geht, müssen die Eltern, die sich eine gute Schulbildung für ihr Kind wünschen, tief in die Tasche greifen. Da ist man pro Kind schnell mit umgerechnet 1.000 EUR pro Monat für Schule und Hort dabei.

Außerdem herrscht ab 4 Jahren eine Art „Kindergartenpflicht“. Das kontrolliert zwar niemand, aber mit 4 Jahren sind ein Großteil der Kinder letztlich im Kindergarten.

Die öffentlichen Bildungseinrichtungen in Brasilien

Öffentliche Schulen und Kindergärten gibt es auch, aber die Chancen auf eine gute Ausbildung bzw. ein Studium mit diesem Schulabschluss danach schwinden. Das Schulsystem ist nicht im Ansatz mit dem in Deutschland zu vergleichen. Somit sparen viele Familien für eine gute Schulbildung der Kinder in privaten Einrichtungen.

Falls du also nicht ganz zufrieden sein solltest mit dem Schulsystem, der Kindergartensuche oder Elternzeit in Deutschland, dann kann ich dich beruhigen: es geht noch schlimmer. Du kannst im Grunde wirklich sehr dankbar sein für die „Grundsteine“, die dein Kind in Deutschland in allen Tages- und Bildungseinrichtungen gelegt bekommt. Denn das ist keinesfalls selbstverständlich.

Aber den allergrößten Grundstein legst du mit deiner Familie. Und dafür kann es nicht genug Zeit geben, die dir und deinem Baby gehört.

Ab wann hat ein Kind in Deutschland Anspruch auf einen Kitaplatz?

Nach Paragraf 24 Absatz 2 des Achten Sozialgesetzbuchs hat ein Kind, das das erste Lebensjahr vollendet hat, bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres Anspruch auf frühkindliche Förderung in einer Tageseinrichtung oder in der Kindertagespflege. Der Anspruch beginnt also mit dem ersten Geburtstag. Ab drei Jahren bis zum Schuleintritt besteht er weiterhin, nach Absatz 3 desselben Paragrafen. Wichtig zu wissen: Der Anspruch richtet sich auf einen Platz, nicht auf einen Wunschplatz in einer bestimmten Einrichtung, und die Anmeldefristen der Kommunen liegen oft ein halbes bis ein ganzes Jahr vorher.

Woran erkennt man, dass ein Kind bereit ist?

Weniger an einer Altersangabe als an drei Beobachtungen. Zeigt das Kind Interesse an anderen Kindern und schaut ihnen zu? Kann es sich für eine Weile von der Hauptbezugsperson lösen, etwa bei den Großeltern? Und hat es Wege gefunden, sich zu beruhigen, sei es mit einem Kuscheltier oder einem Ritual? Wenn alle drei Punkte zutreffen, gelingt die Eingewöhnung meistens leichter. Wenn nicht, heißt das nicht, dass es später sein muss, sondern dass die Eingewöhnung mehr Zeit braucht.

Wie lange dauert eine Eingewöhnung?

Nach dem verbreiteten Berliner Modell etwa zwei bis vier Wochen, in Einzelfällen länger. Der Ablauf ist überall ähnlich: einige Tage gemeinsam in der Gruppe, dann eine erste kurze Trennung, dann längere Zeiträume. Abgeschlossen ist die Eingewöhnung nicht, wenn ein Kind nicht mehr weint, sondern wenn es sich von einer Erzieherin oder einem Erzieher trösten lässt. Plane deshalb keinen Arbeitsbeginn direkt nach der ersten Woche ein.