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Es gibt diesen einen Moment am Abend, in dem alles noch einmal kippen kann. Das Kind ist gewaschen, der Schlafanzug sitzt, und jetzt entscheidet sich, ob die nächste halbe Stunde ruhig wird oder anstrengend. Ein Buch ist an dieser Stelle das wirksamste Werkzeug, das du hast.
Nicht jedes Buch eignet sich dafür. Hier stehen die, die den Abend leiser machen statt aufregender, sortiert nach Alter, dazu die zwei Fragen, an denen du jedes andere Buch selbst prüfen kannst.
Was ein gutes Einschlafbuch ausmacht
Zwei Dinge: Es wird zum Ende hin ruhiger, und es lässt sich in unter zehn Minuten lesen. Alles andere ist Geschmackssache. Bücher mit Spannungsbogen, lauten Stellen oder offenem Schluss sind gute Bücher, nur nicht für diese Uhrzeit.
Dazu kommt etwas, das gegen jede Erwachsenenlogik läuft: Dasselbe Buch zum vierzigsten Mal ist besser als ein neues. Ein Kind, das jeden Satz mitsprechen kann, muss nichts mehr verarbeiten, und genau darum wird es müde. Neue Geschichten gehören an den Nachmittag.
Für die Kleinsten, etwa ab einem Jahr
In diesem Alter zählt der Ablauf mehr als die Handlung. Kurze Pappseiten, wenige Worte pro Seite, immer dieselbe Reihenfolge.
- Nur noch kurz die Ohren kraulen? von Jörg Mühle. Das Hasenkind wird gewaschen, gekuschelt und zugedeckt, und das Kind macht jeden Schritt mit. Ein Buch zum Mitmachen, das trotzdem müde macht.
- Gute Nacht, Gorilla! von Peggy Rathmann. Fast ohne Text, die ganze Geschichte steht in den Bildern. Deshalb kannst du sie jeden Abend anders erzählen, ohne dass es ein anderes Buch wird.
- Wie kleine Tiere schlafen gehen von Anne-Kristin zur Brügge, illustriert von Marina Rachner. Ein Pappbilderbuch in Reimen, ab etwa achtzehn Monaten: Jedes Tier legt sich auf seine Art hin, und am Ende ist das Kind gemeint. Es gibt den Klassiker auch als Fühlbuch, wenn deine Hände abends ohnehin schon beschäftigt sind.
- Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab? von Sam McBratney. Der große und der kleine Hase überbieten sich darin, wie lieb sie sich haben, bis der kleine einschläft. Der Schluss ist der Grund, warum es hierher gehört.
Ab zwei Jahren
Jetzt darf eine Handlung dazukommen, aber eine, die abends endet und nicht mitten in der Nacht spannend wird.
- Bobo Siebenschläfer von Markus Osterwalder. Jede Geschichte endet damit, dass Bobo einschläft. Vorhersehbarer geht es nicht, und das ist hier ein Lob.
- Der Mond ist aufgegangen als Bilderbuch. Das alte Abendlied, Strophe für Strophe bebildert. Wer die Melodie kennt, kann es singen statt lesen, und Singen wirkt abends noch einmal anders als Sprechen.
- Leise, leise, sagt die Meise von Sandra Grimm, illustriert von Kathrin Wessel. Der ganze Wald wird nach und nach still, Tier für Tier, in kurzen Reimen. Ein Buch, das beim Vorlesen von selbst leiser wird, weil der Text es vormacht.
- Ein Pixi-Set zum Thema Schlafen. Acht kleine Hefte, die ein Kind selbst aus dem Regal ziehen und selbst aussuchen kann. Für Kinder, die abends unbedingt mitbestimmen wollen, löst das mehr Streit als jedes Argument.
Ab drei Jahren
Ab hier funktionieren Sammlungen mit kurzen Geschichten am besten. Eine pro Abend, und das Ende steht fest, bevor ihr anfangt.
- Der kleine Siebenschläfer von Sabine Bohlmann. Kurze Waldgeschichten, in denen es fast immer ums Schlafen, Trösten und Wiederfinden geht. Es gibt Bände mit einzelnen Geschichten und dickere Sammlungen zum Vorlesen.
- Die Schnecke und der Buckelwal von Julia Donaldson. In Reimen geschrieben, und Reime geben dem Vorlesen den Rhythmus, der abends hilft. Etwas mehr Handlung als die anderen, dafür ein ruhiges Ende.
- Eine Sammlung mit Gutenachtgeschichten für jeden Tag. Der Vorteil solcher Bände ist banal und trotzdem entscheidend: Die Geschichten sind auf drei Minuten geschrieben, es gibt also nichts zu verhandeln.
Ab vier Jahren
Größere Kinder halten längere Texte aus, und sie merken, wenn ein Buch ihnen nichts zutraut. Diese hier gehen tiefer und werden trotzdem leise.
- Der Löwe in dir von Rachel Bright. Eine kleine Maus und ein großer Löwe, und am Ende weiß jede der beiden, wozu sie taugt. Für Kinder, die abends über den Tag grübeln, ein guter letzter Gedanke.
- Wo die wilden Kerle wohnen von Maurice Sendak. Ein wilder Traum, der damit endet, dass Max nach Hause kommt und das Abendessen noch warm ist. Der Wildheit erst Raum geben und sie dann heimholen: Genau das ist der Weg, den ein aufgedrehtes Kind abends gehen muss.
Wenn ihr abends betet
Bei uns gehört ein Gebet zum Abend, und es ist kein Zufall, dass es nach dem Buch kommt und nicht davor. Das Vorlesen macht ruhig, das Gebet sortiert, was der Tag übrig gelassen hat.
- Gute Nacht, lieber Gott. Kurze erste Gebete für die Kleinsten, in Reimen, die ein Kind bald mitspricht.
- Die Gott hat dich lieb Bibel von Sally Lloyd-Jones, illustriert von Jago. Die bekannteste Vorlesebibel für Kinder, und der Grund dafür steht im Titel: Jede Geschichte endet bei der Zusage, dass dieses Kind gemeint und geliebt ist. Eine Geschichte dauert etwa zehn Minuten, für Kinder etwa ab vier.
- Gute-Nacht-Geschichten aus der Kinderbibel. Für ältere Kinder, die schon nachfragen. Eine Geschichte pro Abend reicht völlig.
Häufige Fragen
Wie viele Bücher soll man abends vorlesen?
Jeden Abend gleich viele, das ist wichtiger als die Zahl. Zwei sind ein guter Wert. Wer manchmal eins und manchmal vier liest, verhandelt jeden Abend neu, und das Verhandeln selbst macht wach.
Ab wann kann man einem Baby vorlesen?
Sobald es sitzen kann, oft schon früher auf dem Schoß. In den ersten Monaten geht es nicht um die Geschichte, sondern um die Stimme und den festen Ablauf. Beides versteht ein Baby lange vor dem ersten Wort.
Mein Kind will immer dasselbe Buch. Ist das ein Problem?
Im Gegenteil. Wiederholung ist die Art, wie kleine Kinder lernen und sich sicher fühlen, und das bekannte Buch beruhigt zuverlässiger als jedes neue. Der Wechsel kommt von allein.
Soll das Licht beim Vorlesen gedimmt sein?
Ja, warm und niedrig. Helles, kaltweißes Licht wirkt der Müdigkeit entgegen, gerade in der letzten halben Stunde. Eine kleine Leselampe neben dem Bett reicht.
Hilft ein Hörbuch genauso gut?
Es hilft, aber anders. Ein Hörbuch ersetzt die Geschichte, nicht die Nähe, und es hat kein Ende, das jemand bestimmt. Für den Abend besser: erst gemeinsam lesen, das Hörbuch später am Nachmittag.