Das erste Weihnachten nach einem Todesfall ist kein Fest, es ist ein Termin, den man übersteht. Und die Frage, die sich davor stellt, ist meistens nicht, wie man feiert, sondern was man den Menschen schreibt, die es dieses Jahr besonders hart trifft.
Hier stehen Formulierungen für Karten und Nachrichten, dazu das, was man besser weglässt, und ein paar Gedanken für alle, die selbst betroffen sind.
Was schreibt man jemandem, der zu Weihnachten trauert?
Am besten kurz, konkret und ohne Trostformel. Nennt den Verstorbenen beim Namen, sagt, dass ihr an ihn denkt, und bietet etwas Bestimmtes an statt allgemeiner Hilfe. Sätze wie „Zeit heilt alle Wunden“ oder „Sie ist jetzt an einem besseren Ort“ wirken freundlich gemeint und treffen trotzdem daneben. Ein Satz, der den Namen enthält, ist mehr wert als drei, die ihn vermeiden.
Warum das erste Jahr das schwerste ist
Weil Weihnachten alles wiederholt: dieselben Lieder, derselbe Tisch, dieselbe Sitzordnung mit einem Stuhl zu viel. Was im Alltag noch untergeht, wird an einem Tag sichtbar, der von Wiederholung lebt. Deshalb ist es kein Rückschritt, wenn jemand im Dezember weiter zurückfällt als im November.
20 Sätze für Karte und Nachricht
Wenn ihr euch nah seid
- Ich denke an dich, gerade jetzt, wo dieser Monat für die anderen ein schöner Monat ist.
- Ich weiß, dass dieses Weihnachten anders ist. Und ich denke an dich.
- Wenn du an Heiligabend nicht allein sein willst, sag Bescheid. Wenn du allein sein willst, auch.
- Ich vermisse … dieses Jahr auch. Ich wollte, dass du das weißt.
- Du musst dich zu nichts aufraffen, auch nicht mir gegenüber.
- Ich rufe zwischen den Tagen an. Du musst nicht rangehen.
Wenn ihr euch weniger nah seid
- Ich denke in diesen Tagen an dich und deine Familie.
- Ein erstes Weihnachten ohne einen geliebten Menschen ist schwer. Ich wünsche dir ganz viel Trost und Kraft.
- Ich habe oft an … gedacht in diesem Jahr.
- Ich schicke dir diesen Gruß, ohne eine Antwort zu erwarten.
Wenn ihr über den Verstorbenen sprechen wollt
- Ich muss oft an den Moment denken, als … . Das war so typisch für ihn.
- Es gibt eine Geschichte über …, die ich dir zu Weihnachten erzählen will.
- … Platz am Tisch fehlt. Ich sage es lieber, als so zu tun, als wäre es nicht so.
- Ich habe dieses Jahr etwas gemacht, das … mir beigebracht hat, und dabei an … gedacht.
Für die eigene Familie
- Wir feiern dieses Jahr anders, und das ist in Ordnung.
- Wir zünden eine Kerze für … an und dann essen wir. Beides gehört dazu.
- Wer nicht mitsingen mag, muss nicht mitsingen.
- Es ist erlaubt, an diesem Tag auch zu lachen und schöne Momente zu finden.
Was man besser nicht schreibt
„Zeit heilt alle Wunden.“ Im ersten Jahr ist das keine Aussicht, sondern eine Zumutung.
„Sie ist jetzt an einem besseren Ort.“ Auch wer glaubt, hört an Weihnachten vor allem, dass sie nicht hier ist.
„Melde dich, wenn du etwas brauchst.“ Gut gemeint, aber es schiebt die Aufgabe zu dem, der ohnehin keine Kraft hat. Besser: etwas Bestimmtes anbieten, mit Termin.
„Du musst jetzt stark sein.“ Muss niemand. Am wenigsten im Dezember.
Und den Namen weglassen. Die häufigste Vermeidung überhaupt. Wer den Namen schreibt, macht es nicht schlimmer. Er macht es erträglicher.
Häufige Fragen
Schickt man überhaupt eine Weihnachtskarte an Trauernde?
Ja, aber ohne „Frohe Weihnachten“ als einzige Botschaft. Eine Karte, die den Verlust benennt, ist willkommen. Gar nichts zu schicken wird fast immer als Vermeidung gelesen, nicht als Rücksicht.
Wann schickt man sie?
Früher als sonst, etwa Mitte Dezember. In der Woche vor Heiligabend geht sie im Stapel unter, und genau dann wird es schwer.
Was, wenn ich den Verstorbenen kaum kannte?
Dann schreibt ihr über den Menschen, den ihr kennt: dass ihr an ihn denkt. Eine erfundene Nähe merkt man einer Karte an.
Und wenn wir selbst betroffen sind?
Dann darf alles anders sein: kein Baum, ein anderes Essen, ein anderer Ort, ein früherer Abend. Traditionen sind kein Vertrag. Was hilft, ist meistens, den Verstorbenen ausdrücklich vorkommen zu lassen statt ihn zu umgehen.
Karten, die zu diesem Anlass passen
Wir haben selbst einen kleinen Kartenshop, Seeds & Feathers. Zwei Karten dort sind für genau diesen Fall gemacht, ohne Weihnachtsmotiv und ohne aufgesetzte Zuversicht: die TROST-KARTE und die FÜR DICH DA. Für einen kurzen Gruß zwischendurch gibt es die „Für dich“ Postkarte.
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Titelfoto: Mourad Saadi auf Unsplash