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Es ist zwanzig nach acht, dann Viertel vor neun, dann halb zehn. Dein Kind hat Durst, muss noch mal, hat etwas gehört, und du sitzt auf der Bettkante und rechnest aus, wie viel vom Abend noch übrig ist.

Einschlafprobleme sind der häufigste Grund, warum Eltern abends erschöpft sind, und sie haben fast nie mit Erziehung zu tun. Hier steht, woran es meistens liegt und was in welchem Alter wirklich etwas ändert.

Warum kann mein Kind nicht einschlafen?

In den allermeisten Fällen ist der Schlafdruck zu gering oder die Anspannung zu hoch. Zu wenig Schlafdruck entsteht durch einen zu späten Mittagsschlaf, zu wenig Bewegung am Tag oder eine zu frühe Bettzeit. Anspannung entsteht durch Bildschirme, Aufregung kurz vor dem Bett, Hunger oder Sorgen. Beides lässt sich verändern, und meistens reicht eine der beiden Seiten.

Wie viel Schlaf ein Kind wirklich braucht

Die Spanne ist größer, als Tabellen vermuten lassen. Zwei gleichaltrige Kinder können sich um zwei Stunden unterscheiden, ohne dass eines davon ein Problem hat.

Alter Schlaf gesamt Mittagsschlaf
1 bis 2 Jahre 11 bis 14 Stunden meist noch einer
3 bis 5 Jahre 10 bis 13 Stunden fällt in dieser Zeit weg
6 bis 12 Jahre 9 bis 12 Stunden keiner

Der wichtigste Wert steht nicht in der Tabelle: wie dein Kind morgens aufwacht. Ein Kind, das von allein wach wird und ansprechbar ist, bekommt genug, auch wenn die Stundenzahl unter dem Richtwert liegt.

Was zuerst zu prüfen ist

  • Der Mittagsschlaf. Der häufigste einzelne Grund. Wer um sechzehn Uhr noch eine Stunde schläft, ist um zwanzig Uhr nicht müde. Vorziehen, kürzen, irgendwann ganz weglassen.
  • Die Bettzeit selbst. Klingt widersinnig, aber viele Kinder liegen zu früh im Bett. Wer eine Stunde wach liegt, verbindet das Bett mit Warten. Bettzeit um zwanzig Minuten nach hinten, eine Woche lang beobachten.
  • Bewegung am Tag. Draußen, nicht drinnen. An Regentagen fällt sie fast immer aus, und genau an diesen Abenden dauert es länger.
  • Bildschirme. Die letzte Stunde ohne, und zwar für alle. Das ist der unbequemste Punkt auf dieser Liste und der wirksamste.
  • Licht. Abends gedämpft, morgens hell. Das stellt die innere Uhr zuverlässiger als jedes Ritual.
  • Hunger. Ein Kind, das um siebzehn Uhr zuletzt gegessen hat, kann um zwanzig Uhr schlecht abschalten. Eine Scheibe Brot verhindert das dritte Aufstehen.

Ein Abendablauf, der funktioniert

Immer dieselbe Reihenfolge, immer ungefähr dieselbe Dauer, immer in dieselbe Richtung: von laut nach leise, von hell nach dunkel, von Wohnzimmer nach Bett. Etwa so: Abendessen, Waschen und Zähne, Schlafanzug, zwei Bücher, ein Lied, Licht aus. Vierzig Minuten sind ein guter Rahmen.

Der Ablauf wirkt nicht, weil er entspannt, sondern weil er vorhersagbar ist. Ein Kind, das weiß, was als Nächstes kommt, muss nicht verhandeln. Deshalb ist es besser, jeden Abend zwei Bücher zu lesen als manchmal eins und manchmal vier.

Ein Nachtlicht mit warmem, gedimmtem Licht hilft Kindern, die im Dunkeln nicht liegen bleiben. Wichtig ist die Farbe: warmes Licht stört den Schlaf kaum, kaltweißes und blaues schon.

Die Rituale, die mehr wirken als der Ablauf

Der Ablauf gibt dem Abend die Form, aber das, was ihr darin gemeinsam tut, macht die eigentliche Arbeit. Vier Dinge helfen bei fast jedem Kind, und keines davon kostet mehr als die Zeit, die du ohnehin auf der Bettkante verbringst.

Vorlesen

Zehn Minuten reichen. Vorlesen senkt das Tempo, weil eine vorlesende Stimme langsamer ist als jeder Bildschirm und weil dein Kind dabei nichts tun muss außer zuhören. Dieselbe Geschichte zum zwanzigsten Mal ist dabei besser als eine neue: Was ein Kind schon auswendig kennt, muss es nicht mehr verarbeiten, und genau das macht müde. Neue Bücher gehören an den Nachmittag. Welche Titel abends wirklich müde machen, steht in unseren Gute-Nacht-Büchern nach Alter.

Ein Lied, das immer dasselbe ist

Ein festes Lieblingslied am Ende setzt den Schlusspunkt, den ein Kind sonst selbst suchen muss. Selbst singen wirkt am besten, auch schief, weil der Atem beim Singen länger ausströmt als beim Sprechen und sich das auf das Kind überträgt. Wer nicht gern singt, legt jeden Abend dasselbe Lied leise auf. Wichtig ist nur, dass es endet. Eine Wiedergabeliste, die weiterläuft, hält wach.

Gemeinsam beten

Das Abendgebet ist der Ort, an dem das Ungesagte noch Platz findet, ohne dass daraus ein langes Gespräch wird, das wieder wach macht. Drei Sätze genügen: ein Dank für etwas vom Tag, eine Bitte für jemanden, den dein Kind lieb hat, und ein Satz für die Nacht. Kinder, die abends grübeln, geben ihre Sorgen hier ab, und zwar an jemanden, der wach bleibt. Wenn ihr jeden Abend dieselben Worte sprecht, kann dein Kind irgendwann mitsprechen, und der vertraute Wortlaut beruhigt zusätzlich.

Kuscheln

Körperkontakt beruhigt nicht nur gefühlt. Nähe setzt Oxytocin frei, der Spiegel des Stresshormons Cortisol sinkt, Puls und Atmung werden langsamer, und der Körper schaltet vom Wachmodus in den Ruhemodus. Deshalb bringen fünf Minuten nebeneinander liegen oft mehr als eine halbe Stunde Zureden. Auch bei größeren Kindern, die von sich aus nicht mehr danach fragen. Wenn dein Kind zu aufgedreht zum Kuscheln ist, hilft es, die Hand einfach auf den Rücken zu legen und selbst ruhig weiterzuatmen.

Diese vier Bausteine gehören ans Ende des Ablaufs, nach dem Zähneputzen und dem letzten Aufstehen, und immer in derselben Reihenfolge. Sie sind kein Zusatz für gute Abende. An den anstrengenden Abenden sind sie das, was den Unterschied macht.

Wenn dein Kind nicht allein bleiben will

Das ist keine Trotzphase, sondern meistens echte Angst, und die verschwindet nicht durch Konsequenz allein. Was hilft, ist ein Weg in kleinen Schritten: Du bleibst zunächst im Zimmer, dann an der Tür, dann im Flur, dann rufst du nur noch. Jede Stufe ein paar Tage, keine Stufe überspringen.

Dazu ein Satz, der jeden Abend gleich lautet und den dein Kind auswendig kennt. „Ich bin in der Küche und ich schaue gleich noch einmal nach dir.“ Und dann schaust du wirklich nach, auch wenn es schon schläft. Beim nächsten Mal glaubt es dir.

Wann du nachfragen solltest

Sprich mit der Kinderärztin, wenn dein Kind nachts laut schnarcht oder Atemaussetzer hat, wenn es tagsüber trotz ausreichender Zeit im Bett dauerhaft erschöpft ist, wenn es beim Einschlafen unruhige Beine beschreibt, wenn die Probleme plötzlich und ohne erkennbaren Anlass auftreten, oder wenn Ängste den ganzen Tag bestimmen und nicht nur den Abend.

Häufige Fragen zum Einschlafen

Wie lange darf ein Kind zum Einschlafen brauchen?

Zwanzig bis dreißig Minuten sind normal. Wer regelmäßig deutlich länger wach liegt, hat meist ein Timing-Problem, nicht ein Schlafproblem: Die Bettzeit passt nicht zum tatsächlichen Schlafbedarf.

Soll ich bis zum Einschlafen dabeibleiben?

Wenn es für alle gut funktioniert, spricht nichts dagegen. Zum Problem wird es erst, wenn dein Kind nachts aufwacht und dann dieselbe Bedingung braucht, um wieder einzuschlafen. Dann lohnt der schrittweise Weg von oben.

Was tun, wenn das Kind ständig noch einmal aufsteht?

Vorher eine feste Zahl vereinbaren: einmal trinken, einmal Toilette, danach ist Schluss. Ein Gutscheinsystem mit zwei Karten pro Abend funktioniert bei Kindern ab vier erstaunlich gut, weil sie selbst entscheiden dürfen, wofür sie es einsetzen.

Hilft ein Hörspiel beim Einschlafen?

Manchen ja, vielen nicht. Spannende Geschichten halten wach, ruhige Musik oder immer dieselbe, längst bekannte Geschichte wirken dagegen oft beruhigend. Was nicht hilft, ist ein Gerät, das die ganze Nacht läuft.

Ab wann braucht ein Kind keinen Mittagsschlaf mehr?

Zwischen drei und fünf, mit großen Unterschieden. Ein gutes Zeichen ist, wenn dein Kind mittags nicht mehr von allein einschläft, abends aber deutlich länger wach liegt als früher. Dann besser mittags eine ruhige Zeit ohne Schlaf einbauen.

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Titelfoto: Shoham Avisrur auf Unsplash