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Irgendwann im November kommt der Satz: „Ich will einen Wunschzettel schreiben.“ Und dann sitzt ein Kind mit einem Stift vor einem leeren Blatt und schreibt entweder gar nichts oder dreißig Dinge aus dem Spielzeugkatalog, darunter ein Pferd.
Wir verraten euch, wie ein Wunschzettel entsteht, den das Kind selbst schreibt und mit dem ihr hinterher etwas anfangen könnt: in welchem Alter was geht, wie viele Wünsche darauf gehören, wohin er kommt und was man mit dem Pferd macht.
Wie schreibt man mit Kindern einen Wunschzettel?
Erst sprechen, dann schreiben. Das Kind erzählt, was es sich wünscht, ihr fragt nach, und erst danach kommt das Blatt. Kleine Kinder malen oder kleben Bilder, Schulkinder schreiben selbst. Drei bis fünf Wünsche sind genug, und einer davon darf groß sein. Der Zettel bekommt ein Datum und einen Platz am Fenster, damit er nicht verloren geht, und nach Weihnachten wandert er in die Kiste mit den Erinnerungen.
Ab welchem Alter funktioniert ein Wunschzettel?
Ab etwa drei Jahren, dann allerdings als Bild. Ein Dreijähriger malt, was er sich wünscht, oder klebt ein Bild aus einem Prospekt auf. Ob das Bild hinterher ein Bagger oder ein Hund ist, klärt man im Gespräch, nicht am Zettel.
Ab fünf diktiert das Kind, und ein Erwachsener schreibt. Das ist der Moment, in dem die Liste lang wird, weil Diktieren nichts kostet. Hier hilft die Regel mit den fünf Wünschen, dazu unten mehr.
Ab der ersten Klasse schreiben Kinder selbst, mit allen Fehlern, die dazugehören. Ein Wunschzettel ist kein Diktat. Wer „Lego“ mit zwei g schreibt, hat trotzdem einen gültigen Wunsch, und ein korrigierter Zettel ist nicht mehr der eigene.
Wie viele Wünsche gehören auf den Zettel?
Drei bis fünf. Das klingt streng und ist das Gegenteil: Ein Kind, das dreißig Dinge aufschreibt, wünscht sich eigentlich nichts davon richtig. Bei fünf muss es sich entscheiden, und das Entscheiden ist der Teil, den es dabei lernt.
Was sich bei uns bewährt hat, ist die Aufteilung: ein großer Wunsch, zwei mittlere, zwei kleine. Der große darf etwas sein, das das Kind sich seit Wochen wünscht. Die kleinen sind die, die am Ende am liebsten gespielt werden, weil niemand Erwartungen daran hat.
Und ein Satz, der auf jeden Wunschzettel gehört, am besten vom Kind selbst geschrieben: etwas, das kein Geschenk ist. Ein Ausflug, ein Abend nur mit Mama oder Papa, einmal länger aufbleiben. Kinder schreiben das von selbst, wenn man sie fragt, was sie sich außer Sachen wünschen.
Was mit dem Pferd passiert
Jeder Wunschzettel hat einen Wunsch, der nicht geht. Das Pferd, das Handy mit fünf, der Hund, die Spielkonsole, die bei den Nachbarn steht. Die Frage ist nicht, ob man ihn streicht, sondern wie.
Nicht streichen, sondern stehen lassen und darüber sprechen. „Ein Pferd passt nicht in unsere Wohnung, aber ich schreibe es auf, weil du es dir wünschst.“ Der Wunsch bleibt gültig, auch wenn er nicht erfüllt wird, und das Kind lernt, dass man sich etwas wünschen darf, das nicht kommt. Das ist eine Lektion, die man nicht mit einem Rotstift erteilt.
Und dann gibt es die zweite Sorte: den Wunsch, den ihr nicht erfüllen wollt, weil er euch nicht gefällt. Die laute Waffe, das Spielzeug aus der Werbung, das in drei Tagen kaputt ist. Hier gilt dasselbe. Der Wunsch bleibt auf dem Zettel, und zu Weihnachten liegt etwas anderes unter dem Baum. Ein Wunschzettel ist eine Bitte, keine Bestellung, und das darf das Kind wissen.
Wohin kommt der Wunschzettel?
Aufs Fensterbrett. Das ist die klassische Variante, und bei uns die einzige: Der Zettel liegt am Abend am Fenster, am nächsten Morgen ist er weg, und das Kind weiß, dass er angekommen ist. Wer mehrere Kinder hat, gibt jedem Zettel ein eigenes Fenster, sonst gibt es Streit darüber, wessen zuerst abgeholt wurde.
Der Zettel bleibt dabei in der Familie, und das ist der eigentliche Vorteil: Er ist nach Weihnachten noch da und wandert in die Kiste mit den Erinnerungen. Ein Wunschzettel von einem Fünfjährigen, zehn Jahre später gelesen, ist mehr wert als das meiste, was darauf stand.
Der Zettel selbst: Papier, Stifte, Schmuck
Ein Wunschzettel darf aussehen wie eine Bastelarbeit, und für die meisten Kinder ist das der schönste Teil. Ein Bogen festes Papier, farbige Stifte, ein paar Weihnachtssticker, und der Zettel wird zum Bild. Briefpapier mit Weihnachtsmotiven gibt es in Blöcken, die für mehrere Jahre reichen, und Weihnachtssticker ersetzen bei den Kleinen das Schreiben.
Wer eine Vorlage will: Oben der Name, darunter fünf Zeilen mit Nummern, unten eine Zeile für das, was kein Geschenk ist, und ein Platz zum Malen. Mehr Struktur braucht es nicht, und ein Kind, das Linien hat, schreibt ordentlicher als eines mit einem leeren Blatt.
Häufige Fragen zum Wunschzettel
Wann schreibt man den Wunschzettel?
Ende November, am ersten Adventswochenende. Früher ist zu früh, weil die Wünsche sich bis Weihnachten noch dreimal ändern. Später ist zu spät, wenn der Brief noch zur Weihnachtspost soll oder die Großeltern wissen wollen, was sie schenken können.
Darf man den Wunschzettel den Großeltern zeigen?
Unbedingt, und am besten mit einer Aufteilung. Wer welchen Wunsch übernimmt, klärt man vorher, sonst liegen zwei gleiche Pakete unter dem Baum. Ein Foto des Zettels in der Familiengruppe reicht, und die Großeltern freuen sich über die Handschrift.
Was, wenn das Kind sich nichts wünscht?
Das kommt vor, besonders bei Kindern, die alles haben. Dann hilft die Frage nach dem, was kein Geschenk ist: ein Ausflug, ein Tag ohne Geschwister, etwas, das man zusammen macht. Daraus wird oft der beste Wunsch auf dem Zettel.
Was, wenn Geschwister dasselbe wünschen?
Dann steht es auf beiden Zetteln, und unter dem Baum liegt es einmal, mit beiden Namen darauf. Das ist kein Sparen, sondern eine Ansage: Manche Dinge gehören allen. Bei einem Buch oder einem Spiel geht das, bei einem Kuscheltier nicht, und das wissen Kinder selbst sehr genau.
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Titelfoto: Kelly Sikkema auf Unsplash