In letzter Zeit muss ich öfter daran denken, dass ich Anfang 20 total begeistert von der Idee des Multitaskings war. Und habe mir natürlich auch eingebildet, dass ich es super beherrsche. Inzwischen bin ich da ziemlich kritisch und denke, dass es mich in vielen Situationen viel schneller weiter bringt, wenn ich hintereinander Sachen erledige und dafür superkonzentriert bin.
Und irgendwie wissen wir ja alle was mit Multitasking gemeint ist, aber hier trotzdem mal kurz die Definition laut Wikipedia:
Unter Multitasking oder Mehrfachaufgabenperformanz (seltener menschliches Multitasking) versteht man die Ausführung zweier oder mehrerer Aufgaben zur selben Zeit oder abwechselnd in kurzen Zeitabschnitten.
Je komplexer mein Alltag wird (und viel komplexer kann es aktuell nicht mehr werden), merke ich, dass ich mir ganz genau überlegen muss, was ich wann wie mache, damit am Ende nichts runter fällt.
Und bei dieser Überlegung zieht Multitasking immer öfter den Kürzeren. Denn sich ständig neu in Sachen hineindenken, dauert eben meistens länger, als es einmal gleich richtig durchziehen.
Funktioniert Multitasking?
Nur bei Tätigkeiten, von denen höchstens eine Aufmerksamkeit verlangt. Wäsche zusammenlegen und dabei ein Hörbuch hören klappt. Zwei Dinge, die beide Konzentration brauchen, klappen nicht: Das Gehirn wechselt dann zwischen ihnen hin und her, und jeder Wechsel kostet Zeit. Nacheinander ist am Ende schneller.
Wo Multitasking super im Alltag funktioniert
Klar kann ich Wäsche zusammenlegen und gleichzeitig fernsehen oder mit meiner Mama oder einer Freundin telefonieren. Und fange währenddessen vielleicht noch den Ball, den meine Kinder mir zuwerfen.
Aber für mich funktionieren im Hinblick auf Multitasking nur Dinge, bei denen unterschiedliche Fähigkeiten gefordert sind, also bei denen ich nur für eine Aufgabe Nachdenken oder Reden muss und dann vielleicht noch ein bis zwei bei denen ich körperlich, aber eher gedankenlos eine Aufgabe erledigen kann.
Wo Fokus viel weiter bringt und am Ende schneller ist
Bei allem wofür ich mich konzentrieren muss (zum Beispiel telefonieren, Mails und Artikel schreiben, recherchieren, Interviews führen, und so weiter), hilft es mir gar nicht, mir zwei oder mehrere Sachen gleichzeitig vorzunehmen.
Dabei kann ich einfach nicht gewinnen. Ich kann mich auch gar nicht mehr erinnern, ob ich das Anfang 20 besser gemacht habe. Ich denke, ich habe öfter mal telefoniert und gleichzeitig etwas geschrieben. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass dabei die Personen am anderen Ende der Leitung eher zu kurz gekommen sind, weil ich eben nicht richtig zugehört habe.
Was sind eure Erfahrungen mit Multitasking? Klappt das bei euch? Kommentiert gerne unter den Social Media Posts oder schreibt mir eine Mail. Ich bin gespannt! 🙂
Warum fühlt sich Multitasking trotzdem produktiv an?
Weil Beschäftigung sich wie Fortschritt anfühlt. Wer zwischen fünf Dingen springt, hat den Eindruck, an allen zu arbeiten, und übersieht, dass keines fertig wird. Dazu kommt ein zweiter Effekt: Jeder Wechsel bringt eine kleine Belohnung durch etwas Neues, und das macht die Angewohnheit selbstverstärkend. Wer eine Woche lang aufschreibt, wie viel am Abend wirklich abgeschlossen war, sieht den Unterschied meist deutlicher als in jeder Erklärung.
Wo funktioniert es im Alltag mit Kindern?
Überall dort, wo eine der beiden Tätigkeiten automatisch abläuft. Kochen und dabei zuhören, spazieren und telefonieren, aufräumen und ein Gespräch führen. Das ist kein Trick, sondern die eigentliche Stärke von Routinen: Was der Körper allein kann, gibt den Kopf frei. Nicht funktionieren wird dagegen alles, was Entscheidungen verlangt, also E-Mails beantworten, während ein Kind etwas erzählt. Dort merkt das Kind sofort, dass es nur die Hälfte bekommt.
Wie arbeitet man konzentrierter?
In Blöcken mit einem einzigen Thema und mit einer Regel für Unterbrechungen. Fünfundzwanzig oder fünfzig Minuten sind gängige Längen, danach eine Pause. Entscheidend ist weniger die Länge als das, was währenddessen ausgeschaltet ist: Benachrichtigungen, zweiter Bildschirm, offene Reiter. Und eine Liste neben dem Platz, auf die alles kommt, was einem dazwischen einfällt. So muss man den Gedanken nicht festhalten und auch nicht sofort verfolgen.
Was hilft, wenn ständig etwas dazwischenkommt?
Realistisch planen statt gegen die Unterbrechungen anzukämpfen. In einem Haushalt mit kleinen Kindern gibt es keine ungestörte Stunde, und wer darauf wartet, fängt nie an. Was funktioniert, sind sehr kurze Einheiten von zehn bis fünfzehn Minuten mit genau einer Aufgabe, dazu eine feste Reihenfolge, damit man nach einer Unterbrechung nicht neu überlegen muss. Und die Erkenntnis, dass drei angefangene Dinge schlechter sind als eines, das fertig ist.