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Am Abend des 5. Dezember stehen bei uns geputzte Stiefel vor der Tür, und beim Putzen fragt ein Kind, wer der Nikolaus eigentlich ist und ob er mit dem Weihnachtsmann verwandt ist. Die Antwort ist schöner als die meisten Eltern denken: Der Nikolaus war ein echter Mensch, und die Geschichten über ihn handeln fast alle davon, dass er heimlich geholfen hat.
Ich verrate dir, wer der Nikolaus war, wie ich seine Geschichte Kindern ab drei erzähle, wie bei uns der Nikolausabend abläuft, was in den Stiefel gehört und was nicht, und was ich antworte, wenn ein Kind fragt, ob er wirklich kommt.
Wer war der Nikolaus wirklich?
Nikolaus war Bischof in der Stadt Myra, die heute Demre heißt und in der Türkei liegt. Er lebte im vierten Jahrhundert, also vor rund 1.700 Jahren. Über sein Leben ist wenig sicher belegt, aber die Geschichten über ihn haben alle denselben Kern: Er half armen Menschen, und er tat es heimlich. Sein Gedenktag ist der 6. Dezember, der Tag, an dem er gestorben sein soll. Daraus wurde der Brauch, in der Nacht davor Kinder zu beschenken, so wie er selbst einmal heimlich Geschenke gemacht hat.
Die Geschichte vom Gold durchs Fenster, für Kinder erzählt
Die bekannteste Geschichte über den Nikolaus geht so, und so erzähle ich sie:
In Myra lebte ein Mann mit drei Töchtern. Er war so arm, dass er ihnen nichts mitgeben konnte, wenn sie einmal heiraten wollten, und zu dieser Zeit bedeutete das, dass keine von ihnen heiraten konnte. Der Vater war verzweifelt. Nikolaus hörte davon. Aber er wollte nicht, dass sich die Familie schämen musste, also ging er nicht einfach hin und gab ihnen Geld. Stattdessen wartete er, bis es Nacht war, schlich zum Haus und warf einen Beutel Gold durchs Fenster. In der nächsten Nacht einen zweiten. In der dritten Nacht wartete der Vater am Fenster und erwischte ihn. Nikolaus bat ihn, niemandem davon zu erzählen.
Das Ende der Geschichte ist der Teil, den Kinder am meisten mögen: Er wollte nicht, dass jemand es weiß. Daraus kommt der Brauch, dass die Stiefel nachts gefüllt werden, wenn keiner zusieht. Und in manchen Erzählungen landete das Gold in Strümpfen oder Schuhen, die zum Trocknen am Kamin hingen; so erklärt sich, warum es ausgerechnet Stiefel sind.
Für ältere Kinder gibt es noch die Geschichte von den Getreideschiffen: In Myra herrschte eine Hungersnot, und im Hafen lagen Schiffe voller Korn, das für den Kaiser bestimmt war. Nikolaus bat die Kapitäne, einen Teil abzuladen, und versprach, dass beim Kaiser trotzdem nichts fehlen würde. Sie taten es, die Stadt wurde satt, und als die Schiffe ankamen, war die Ladung vollständig. Diese Geschichte ist ein Wunder, und ich sage das auch so; Kinder können mit Wundern besser umgehen als wir.
Wie der Nikolausabend bei uns abläuft
Am 5. Dezember nach dem Abendessen werden die Stiefel geputzt. Nicht der Gummistiefel, sondern richtige Schuhe. Wir stellen beide Stiefel hin, aber nur einen hinzustellen, ist auch in Ordnung. Beim Putzen erzähle ich die Geschichte vom Gold durchs Fenster, in jedem Jahr dieselbe, und irgendwann kann ein Kind sie auswendig und erzählt sie den anderen.
Dann kommen die Stiefel vor die Haustür oder aufs Fensterbrett, je nach Wetter, und die Kinder gehen ins Bett. Wer ein Gedicht gelernt hat, sagt es vor dem Einschlafen auf, nicht vor der Tür; ich finde, ein Kind sollte am Nikolausabend nichts aufsagen müssen, um etwas zu bekommen. Morgens steht ein gefüllter Stiefel da, und mehr Zeremonie braucht es nicht.
Was ich bewusst weglasse: den Nikolaus, der persönlich kommt und aus einem goldenen Buch vorliest, was das Kind im Jahr alles falsch gemacht hat. Für Kinder unter sechs ist ein verkleideter Fremder in der Wohnung eher erschreckend als schön, und der Teil mit dem Buch macht aus einem Mann, der heimlich half, einen, der Noten verteilt. Wenn ihr den Besuch mögt, lasst wenigstens das Buch weg.
Was in den Stiefel gehört
Eine Mandarine, ein paar Nüsse, ein Schokoladen-Nikolaus, ein Lebkuchen und eine Kleinigkeit: ein Buch, Stifte, ein Spiel für die Hosentasche. Mehr nicht. Der Nikolaus ist kein kleines Weihnachten, und die Freude ist trotzdem groß.
Ein Nikolausbuch ist auch eine schöne Tradition, jedes Jahr ein anderes, das ihr am Abend des 6. zusammen lest. Die Auswahl an Nikolausbüchern für Kinder reicht von Pappbilderbüchern über die Geschichte des Bischofs bis zu Vorlesegeschichten für Schulkinder; für die Kleinsten nehme ich die, in denen Nikolaus ein Mensch ist und kein Mann mit Sack und Rute.
Für größere Kinder, die mit Mandarinen und Schokolade nicht mehr viel anfangen, habe ich eine eigene Liste geschrieben: Nikolausstiefel füllen ab 12 Jahren: 20 Ideen ohne Kinderkram.
Nikolaus und Weihnachtsmann: der Unterschied, kindgerecht
Der Weihnachtsmann ist eine viel jüngere Figur, die in ihrem roten Mantel vieles vom Nikolaus übernommen hat. Kindern erkläre ich es so: Der Nikolaus war ein echter Bischof, der vor langer Zeit gelebt hat und am 6. Dezember kommt. Der Weihnachtsmann ist eine Figur aus Geschichten, die an Weihnachten Geschenke bringt. Bei uns spielt der Weihnachtsmann keine große Rolle, weil wir an Weihnachten den Geburtstag von Jesus feiern, und der Nikolaus bleibt der 6. Dezember. Dass beide ähnliche Mäntel haben, finden Kinder lustig, nicht verwirrend.
Häufige Fragen zum Nikolaus
Gibt es den Nikolaus wirklich?
Ja, es gab ihn wirklich, als Bischof vor 1.700 Jahren. So antworte ich, und die Antwort ist wahr. Ob er heute Nacht die Stiefel füllt, beantworte ich, solange das Kind daran glauben will, mit der Geschichte vom Gold durchs Fenster: Er wollte nie, dass jemand zusieht. Fragt ein Kind ernsthaft und will eine ehrliche Antwort, bekommt es sie von mir, meistens ist das mit sieben oder acht so weit.
Warum stellt ihr Stiefel raus?
Weil in der Legende das Gold in Strümpfen oder Schuhen landete, die am Feuer trockneten. Und weil ein Stiefel die richtige Größe hat: Es passen eine Mandarine, Nüsse und eine Kleinigkeit hinein, kein Fahrrad.
Wann kommt der Nikolaus, am 5. oder am 6. Dezember?
Die Stiefel werden am Abend des 5. Dezember rausgestellt, gefüllt sind sie am Morgen des 6. Der Nikolaustag ist der 6., der Nikolausabend der 5. Wer den Nikolaus zu Besuch kommen lässt, macht das am Nachmittag oder Abend des 5. oder 6., je nach Gegend.
Muss das Kind ein Gedicht aufsagen?
Nein. Wer gern eines lernt, darf es aufsagen, aber nie als Bedingung für den Stiefel. Der Nikolaus der Legende hat auch niemanden vorher geprüft.
Was ist mit Knecht Ruprecht?
Er ist eine spätere Figur aus dem deutschen Brauchtum und hat mit dem Bischof von Myra nichts zu tun. Bei uns kommt er nicht vor; ich finde, ein Nikolausabend braucht niemanden, der Kindern droht.
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Für die Großen: Nikolausstiefel füllen ab 12 Jahren. Und für die Tage danach: Adventskalender füllen: 60 Ideen für Kinder von 1 bis 12.
Titelfoto: Anton Tseiko auf Unsplash