In Brasilien mag es vielleicht ein wenig chaotisch sein und es fehlt manchmal an Struktur. Doch eines sind die Brasilianer, und das merkt man an vielen Orten: sie sind kinderfreundlich.
Das merke ich zwar weniger an den Gehwegen, denn die sind meist schwierig mit dem Kinderwagen zu befahren. An einer Stelle wird es zu eng, an der anderen Stelle befindet vor mir ein unüberwindbares Loch. Aber dafür gibt es in den Einkaufspassagen und Restaurants supersüße Spielecken und Familienräume für Baby, Kinder und die Eltern.
Mittlerweile gehen Arthur und ich gerne im Einkaufszentrum spazieren. Komisch eigentlich, weil ich lieber an der frischen Luft wäre. Aber das Einkaufszentrum in Rio de Janeiro hat einen großen Pluspunkt: Überall gibt es familienfreundliche Still- und Wickelräume.
Unterwegs mit Baby: wo man verlässlich wickeln kann
Unterwegs mit Baby entscheidet der Wickelplatz darüber, wie lange ein Ausflug dauert. Verlässlich sind große Einkaufszentren, Möbelhäuser, Bahnhöfe und Museen. In Rio de Janeiro sind es vor allem die Shoppings, die einen eigenen Familienbereich mit Wickeltisch, Stillzimmer und oft sogar einer Mikrowelle haben.
Unterwegs mit Baby: familienfreundliche Plätze in Rio de Janeiro
Erst einmal gibt es am Eingang eine Rezeption. Das hat fast den Anschein von einem Familienhotel. Die Mädels dort sind sehr lieb und helfen auch gerne mal. Kinderwägen gibt es hier übrigens auch leihweise, falls man mal keinen eigenen dabei hat.


Neben einer Spielecke für größere Geschwisterkinder gibt es einen großen Wickelraum mit allerhand Hygienematerial fürs Baby. Und sogar eine Badewanne gibt es, falls das Baby gebadet werden muss. Und eine Notration Windeln ist vorhanden, falls Mama die Windeln mal ausgehen sollten.

Es gibt dann einen separaten Raum mit Hochstuhl, Mikrowelle und Wasserkocher, um mitgebrachtes Essen oder Milchflaschen zu erwärmen und das Baby zu füttern.

Und je nach Einkaufszentrum gibt es ein bis mehrere Stillräume mit bequemen Sesseln, Stillkissen und Wasser für die Mama. In einem Shoppingcenter konnte ich sogar die Raumtemperatur regulieren. Richtig cool, wie ich finde.
Ist in einem Einkaufszentrum in Rio mal kein Wickelraum vorhanden, so gibt es wie in Restaurants mindestens eine gepolsterte Wickelunterlage in der Damentoilette oder sogar separat, sodass auch der Papa wickeln gehen kann.

In Deutschland gibt es so etwas in neuen Einkaufszentren vermutlich auch. Das werde ich bei meinem nächsten Deutschlandbesuch genauer erkunden. Bis dahin treffen Arthur und ich seine gleichaltrigen Spielkumpels noch in einem der bequemen und luxuriösen Still- und Wickelräume hier in Rio de Janeiro.
Was gehört in die Wickeltasche für unterwegs?
Weniger, als die meisten einpacken, aber das Richtige. Nötig sind drei bis vier Windeln, Feuchttücher, eine faltbare Wickelunterlage, ein kompletter Satz Wechselkleidung, ein Beutel für Nasses und eine kleine Tube Wundcreme. Alles Weitere richtet sich nach dem Alter: Fläschchen und Wasser bei Flaschenkindern, ein Snack und ein Lätzchen ab dem Beikostalter. Eine eigene Wickeltasche ist dabei nicht nötig, ein Innenbeutel in einem normalen Rucksack funktioniert genauso und lässt sich schneller umpacken.
Wie wickelt man, wenn es keinen Wickelraum gibt?
Mit einer festen Reihenfolge und einer eigenen Unterlage. Der Kofferraum eines Autos ist der bequemste Notfallplatz, danach kommen eine Sitzbank im Park, das eigene Kinderwagenliegeteil und im Zug die behindertengerechte Toilette, die fast immer eine Klappe hat. Wichtig ist die eigene Unterlage, denn öffentliche Wickeltische sind selten sauber. Und plane bei kleinen Babys das Wickeln direkt vor dem Losgehen ein, dann verschiebt sich der nächste Wechsel um zwei Stunden.
Woran erkennt man einen guten Wickelraum?
An vier Dingen: einer stabilen Ablage in Erwachsenenhöhe, warmem Wasser, einem verschließbaren Mülleimer und einem Stuhl zum Stillen oder Füttern. Vorbildlich sind Räume, die auch für Väter zugänglich sind und nicht in der Damentoilette liegen. In vielen Ländern ist das inzwischen Standard, in Deutschland noch nicht überall, und genau daran merkt man, wie familienfreundlich ein Ort wirklich ist.