Ihr merkt es schon, der Titel ist ein bisschen hart formuliert, aber heute schreibe ich mal über ein Thema, dass mir jetzt mit dem 3. Kind wieder über den Weg läuft und über das ich ein bisschen baff bin. Und zwar werde ich immer noch öfter darauf angesprochen, ob ich mich denn beim Stillen auch ja an DEN 4. Stunden-Abstand halte. Als wäre DER eine besonders wichtige Person.
Und zwar werde ich nicht von irgendjemandem darauf angesprochen, sondern von Hebammen und anderen Müttern. Wobei ich die anderen Mütter in Schutz nehmen muss: Sie haben oft schon erwachsene Kinder oder sogar Enkel und was ich so raushöre, wurde DER 4. Stunden-Abstand ihnen schon von allen Seiten ganz schön eingetrichtert, damals sogar von Ärzten.
Vielleicht lest ihr das jetzt und denkt: Na klar mein Kind hat auf die Minute genau alle 4 Stunden Hunger, wo ist das Problem? Dann gratuliere ich dir ganz herzlich, denn dann kannst du den Tagesablauf mit deinem Baby wirklich ganz wunderbar planen.

Aber keines meiner Kinder hatte und hat als Säugling nur alle 4 Stunden Hunger. Wenn ich meine Babys immer nur strikt nach Uhrzeit gefüttert hätte, hätte ich vermutlich Schreibabys gehabt.
Genau das ist es nämlich, was hungrige Babys machen: Sie schreien! Sie schreien, bis sie etwas zu essen bekommen.
Und ich würde es ehrlich gesagt genauso machen. Für mich macht das mit dem 4-Stunden-Takt auch rein rational keinen Sinn. Denn ich habe auch nicht genau alle 4 Stunden Hunger, sondern manchmal öfter und manchmal nicht so oft. Ganz abhängig davon was und wie viel ich vorher gegessen und gemacht habe.
Außerdem möchte ich meinem Baby die Gewissheit geben, dass seine Bedürfnisse bei mir in besten Händen sind und ihm dadurch Sicherheit geben. Deshalb gestehe ich es auch jetzt wieder meinem 9 Wochen altem Baby zu, irgendwann zwischen 1,5 und 5 Stunden (so Pi mal Daumen) Hunger zu bekommen.
Es ist für meine und seine Nerven besser, ihn dann gleich zu stillen, denn schließlich strengt es uns Mütter genauso an, wie die Babys, wenn sie zum Gebrüll ansetzen.
Wie seht ihr das? Hört ihr zum ersten Mal von DER 4-Stunden-Regel oder könnt ihr auch ein Lied davon singen? Seid ihr vielleicht sogar Fans davon, wenn ja, was sind die Benefits des alle 4-Stunden-Stillens? Lasst es mich doch in den Social Media Kommentaren wissen oder schreibt mir eine PN, ich bin gespannt!
Stillen nach Bedarf statt nach der Uhr
Feste Vier-Stunden-Abstände beim Stillen sind überholt. Fachgesellschaften und Stillberatungen empfehlen heute das Stillen nach Bedarf, weil sich die Milchbildung an der Nachfrage orientiert. Neugeborene trinken häufig acht- bis zwölfmal in 24 Stunden, auch nachts, und genau das ist normal.
Wie oft trinkt ein Neugeborenes?
In den ersten Wochen meistens acht- bis zwölfmal in 24 Stunden, manchmal öfter. Die Abstände sind dabei sehr unterschiedlich: Auf mehrere kurze Mahlzeiten hintereinander kann eine längere Pause folgen, besonders abends. Dieses sogenannte Clusterfeeding ist kein Zeichen für zu wenig Milch, sondern regt die Bildung an. Nach den ersten Wochen werden die Abstände von allein länger, ohne dass jemand sie festlegen muss. Feste Zeitpläne aus älteren Ratgebern können die Milchbildung dagegen bremsen und zu einem zu geringen Gewichtsverlauf führen.
Woran erkennt man, dass ein Baby genug bekommt?
An drei Dingen, und keines davon ist die Uhr. Erstens die Windeln: Ab dem fünften Lebenstag sind etwa sechs nasse Windeln in 24 Stunden ein gutes Zeichen. Zweitens die Gewichtsentwicklung, die bei den Vorsorgeuntersuchungen und von der Hebamme kontrolliert wird. Nach dem üblichen Gewichtsverlust in den ersten Tagen sollte das Geburtsgewicht etwa nach zwei Wochen wieder erreicht sein. Und drittens der allgemeine Eindruck: ein Kind, das wach, zufrieden und gut durchblutet wirkt. Wenn eines dieser Zeichen fehlt, gehört das zeitnah abgeklärt.
Wo bekommt man Hilfe beim Stillen?
Bei der Nachsorgehebamme, in einer Stillberatung und in Stillgruppen. Hebammenleistungen in den ersten Wochen übernimmt die Krankenkasse. Zusätzlich gibt es zertifizierte Stillberaterinnen mit der Bezeichnung IBCLC sowie ehrenamtliche Beratung, etwa über die La Leche Liga oder die Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen. Wichtig ist, sich früh zu melden und nicht erst, wenn es seit Wochen schmerzt, denn die meisten Stillprobleme lassen sich am Anfang leichter lösen.