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Der Anruf aus der Kita kommt zum dritten Mal seit den Sommerferien, und es ist noch nicht einmal November. Fieber, Schnupfen, drei Tage zu Hause, zwei Tage in der Gruppe, dann fängt es wieder von vorn an. Irgendwann steht die Frage im Raum, die niemand gern laut sagt: Ist das noch normal?
Die kurze Antwort lautet meistens ja. Die längere ist interessanter, weil sie erklärt, warum es sich so anders anfühlt, und woran du erkennst, dass doch etwas dahintersteckt.
Wie viele Infekte sind bei Kindern normal?
Bis zum Schulalter gelten etwa sechs bis acht Infekte im Jahr als normal. Bei Kindern, die eine Krippe oder Kita besuchen, sind es mehr: acht bis zwölf, im zweiten Lebensjahr auch dreizehn, ohne dass das ein Hinweis auf eine Schwäche des Immunsystems wäre. Erst mit dem Schulalter geht die Zahl deutlich zurück.
Was in dieser Zahl nicht steckt und den ganzen Unterschied macht: Diese Infekte verteilen sich nicht gleichmäßig über zwölf Monate. Sie drängen sich zwischen Oktober und März.
Warum es sich anfühlt wie durchgehend
Rechne es einmal nach. Zehn Infekte im Jahr, jeder mit sieben bis zehn Tagen Symptomen, zusammengedrängt in ein halbes Jahr. Das sind rund 70 bis 100 Krankheitstage in etwa 180 Tagen. Statistisch ist dein Kind also in der kalten Jahreszeit jeden zweiten Tag verschnupft.
Genau das ist der Grund, warum die Zahl aus dem Lehrbuch und dein Eindruck so weit auseinanderliegen. Du erlebst keine acht Episoden im Jahr, du erlebst einen Winter, der kaum eine gesunde Woche hat. Beides stimmt gleichzeitig.
Dazu kommt: Ein Schnupfen dauert bei kleinen Kindern oft länger als bei Erwachsenen, und der nächste beginnt, bevor der letzte ganz weg ist. Was von außen wie eine einzige Dauererkältung aussieht, sind in Wirklichkeit zwei oder drei verschiedene Viren hintereinander.
Woran du merkst, dass es nicht mehr normal ist
Und jetzt der Punkt, an dem die meisten Elternratgeber ungenau werden: Nicht die Zahl der banalen Erkältungen entscheidet, sondern die Art der Infekte, ihr Verlauf und ihre Schwere. Zwölf laufende Nasen sind kein Warnzeichen. Zwei Lungenentzündungen sind eines.
In der Kinder-Immunologie ist dafür eine Liste gebräuchlich, die Eltern und Ärztinnen dieselbe Sprache gibt. Die Punkte, die im Alltag am ehesten auffallen:
- mehr als zwei Lungenentzündungen innerhalb eines Jahres
- mehr als zwei schwere Nasennebenhöhlenentzündungen innerhalb eines Jahres
- mehr als acht eitrige Mittelohrentzündungen innerhalb eines Jahres
- mehr als zwei schwere Infektionen wie Hirnhautentzündung, Knochenentzündung oder Blutvergiftung
- eine Antibiotikabehandlung, die über zwei Monate keine Wirkung zeigt
- Pilzbefall im Mund oder auf der Haut nach dem ersten Geburtstag
- ein Säugling, der schlecht zunimmt, oft zusammen mit anhaltendem Durchfall
- bekannte Immundefekte in der Familie
Diese Liste ist eine Orientierung für das Gespräch, kein Selbsttest. Trifft ein Punkt zu, ist das ein Grund, ihn beim nächsten Termin anzusprechen, und kein Grund zur Panik. Trifft keiner zu und du hast trotzdem ein ungutes Gefühl, gilt dasselbe: Es anzusprechen kostet nichts.
Was hilft und was nur so aussieht
Die ehrliche Auskunft zuerst: Die Zahl der Infekte hängt vor allem am Alter und daran, wie viele andere Kinder dein Kind täglich trifft. Beides lässt sich nicht wegoptimieren, und beides erledigt sich mit der Zeit von selbst.
Was im Alltag trotzdem etwas bringt, ist unspektakulär: genug Schlaf, eine rauchfreie Wohnung, die Impfungen nach dem Plan der Kinderärztin und Händewaschen zu festen Gelegenheiten: nach jedem Toilettengang, nach dem Nachhausekommen aus Kita oder Schule, vor dem Essen, nach dem Naseputzen und nach Kontakt mit Tieren. Zwanzig bis dreißig Sekunden mit Seife, Handrücken und Zwischenräume mit, denn genau da wird es bei Kindern gern vergessen. Bei allem, was als Stärkung des Immunsystems verkauft wird, von Vitaminpräparaten bis Nahrungsergänzung, gehört die Frage in die Praxis und nicht in die Drogerie. Bei Kindern ist das keine Kleinigkeit.
Wann darf das Kind wieder in die Kita?
Eine feste Regel gibt es nicht, und jede Einrichtung hat ihre eigene. Als Faustregel hat sich bewährt: mindestens 24 Stunden fieberfrei ohne fiebersenkendes Mittel, und fit genug, um einen normalen Tag mitzumachen, also auch den Spaziergang und den Mittagsschlaf im Gruppenraum. Ein Restschnupfen ist kein Grund, zu Hause zu bleiben, sonst käme kaum ein Kind je wieder hin.
Bei bestimmten Krankheiten gelten eigene Fristen, die die Kita nennt und die nicht verhandelbar sind. Danach zu fragen ist einfacher, als es zu erraten.
Was den Alltag leichter macht
Der wunde Punkt an dieser Jahreszeit ist selten das Kind, sondern die Frage, wer zu Hause bleibt. Zwei Dinge helfen mehr als alles andere:
Kinderkrankentage kennen und einplanen. Für 2026 stehen gesetzlich versicherten Eltern 15 Arbeitstage pro Kind und Elternteil zu, Alleinerziehenden 30, gedeckelt auf 35 beziehungsweise 70 Tage im Jahr. Der Anspruch gilt für Kinder unter zwölf Jahren; bei Kindern mit Behinderung, die Hilfe brauchen, gibt es keine Altersgrenze. Ab 2027 sinken die Zahlen wieder auf 10 und 20 Tage je Kind. Wer das früh mit der zweiten Bezugsperson aufteilt, gerät im Februar nicht in die Klemme.
Eine Kiste, die schon fertig ist. Ein Fieberthermometer, das ihr beide bedienen könnt, Nasentropfen in der richtigen Altersstufe, ein Hörspiel, das noch nicht auswendig gelernt ist. Der Unterschied zwischen einem anstrengenden und einem sehr anstrengenden Krankheitstag entscheidet sich oft daran, ob um sieben Uhr morgens noch etwas besorgt werden muss.
Häufige Fragen
Mein Kind ist seit Wochen dauernd erkältet. Ist das ein Immundefekt?
Sehr wahrscheinlich nicht. Angeborene Immundefekte sind selten, und sie zeigen sich in aller Regel nicht an vielen harmlosen Schnupfen, sondern an schweren, ungewöhnlichen oder ungewöhnlich hartnäckigen Infektionen. Die Liste weiter oben nennt die Muster, auf die es ankommt.
Wird es besser, wenn wir die Kita wechseln oder pausieren?
Meist nur verschoben. Die Infekte, die dein Kind in der Krippe durchmacht, macht es sonst in der Schule durch. Das Immunsystem lernt an genau diesen Begegnungen, und das lässt sich zeitlich verlagern, aber kaum überspringen.
Ab wann sollte ich mit Fieber zur Ärztin?
Bei Säuglingen unter drei Monaten gehört jedes Fieber sofort abgeklärt. Bei älteren Kindern zählt weniger die Zahl auf dem Thermometer als der Zustand: schwer weckbar, auffällig teilnahmslos, trinkt nicht mehr, Atemnot, Hautausschlag, der sich nicht wegdrücken lässt, oder Fieber, das über drei Tage anhält. Im Zweifel lieber einmal zu oft anrufen.
Warum ist mein Kind kränker als die anderen in der Gruppe?
Oft ist es das nicht. Andere Familien erzählen selten von jedem Schnupfen, und wer neu in der Gruppe ist, hat schlicht mehr Erreger vor sich als ein Kind im dritten Kita-Jahr. Der Abstand gleicht sich meist innerhalb eines Jahres aus.
Was mache ich mit meinem schlechten Gewissen im Job?
Wenig, ehrlich gesagt, außer es früh anzusprechen. Die Wintermonate mit einem Kita-Kind sind für alle Beteiligten planbar unplanbar. Wer im Oktober sagt, dass Ausfälle kommen werden, führt im Januar ein anderes Gespräch als jemand, der jedes Mal überrascht wirkt.
Woher die Zahlen kommen
Dieser Text gibt wieder, was öffentliche Stellen und Fachgesellschaften empfehlen. Er ersetzt kein Gespräch in der Praxis, und bei allem, was dein Kind betrifft, entscheidet die Kinderärztin, nicht ein Blogbeitrag.
- Atemwegsinfekte bei Kindern, kindergesundheit-info.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: dort steht, dass bis zum Schulalter acht bis zwölf Atemwegsinfekte im Jahr normal sein können.
- Elterninformation Infekte der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin: wann häufige Infekte im Rahmen bleiben und wann sie abgeklärt werden sollten.
- Händewaschen und Toilettenhygiene auf infektionsschutz.de, ebenfalls von der Bundeszentrale: die Gelegenheiten und die zwanzig bis dreißig Sekunden stammen von dort.
- Empfehlungen zur Hygiene, kindergesundheit-info.de: was im Haushalt mit einem kranken Kind sinnvoll ist und was übertrieben.
- Impfkalender der STIKO beim Robert Koch-Institut: der Plan, von dem im Text die Rede ist.
- Nahrungsergänzungsmittel beim Bundesinstitut für Risikobewertung: Grundlage für den Satz, dass diese Frage in die Praxis gehört und nicht in die Drogerie.
Stand der Angaben: September 2026.
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Titelfoto: Esperanza Doronila auf Unsplash